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acn ghana 2008


Ghana, letzter Eintrag – Grande Finale


Ghana, letzter Eintrag – Grande Finale

So, auf zur letzten Runde. Vor dem Grande Finale liegt aber noch ein weiter Weg. Wir schreiben den 7. Februar und die Halbfinalspiele stehen an. Meine Kumpels sind gestern zwar nach Accra zum Ghana-Spiel gefahren, aber überraschenderweise sind einige holländische Bekannte aus dem Crystal vor Ort. Das erste Spiel, Ghana-Kamerun, wird auf der großen Anzeigetafel im Stadion übertragen, optimale Lösung. Sieht auch lustig aus, wenn die ganze Kurve mit dem Rücken zum Spielfeld sitzt und auf die Anzeigentafel starrt. Und ordentlich Lärm wird natürlich auch gemacht, von den gelben „clapping hands“ bin ich mittlerweile schon ziemlich traumatisiert.

Was da zu sehen ist, ist allerdings sehr unerfreulich. Meine Befürchtung wird wahr, Kamerun schummelt sich wieder durch. Atouba zeigt dabei eine solide Vorstellung als Außenverteidiger. Wieder verzichtet er auf alle Spiränzchen, schaltet sich allerdings auch kaum mal ins Angriffspiel ein. Ghana war bemüht, ein perfekter Angriff der Kameruner sorgt aber für das 1:0, während Ghana in der verzweifelten Schlussoffensive einige wenige gute Ausgleichsmöglichkeiten vergibt.

Nach Schlusspfiff herrscht erst mal Totenstille, aber das sollte sich zum Spiel Elfenbeinküste-Ägypten dramatisch ändern. Mit den beiden Holländern machte ich es mir auf der Gegentribüne bequem, wo allerdings schon vor Anpfiff ein Höllenlärm herrscht. Es geht nicht anders, die Ohrenstöpsel, die eigentlich für Übernachtungen an Hauptverkehrsstraßen gedacht waren, müssen herhalten. Das Spiel wird zur totalen Demontage des großen Favoriten Elfenbeinküste. Das Unheil kündigt sich schon zu Beginn an, als der meiner Meinung nach ohnehin unfähige Trainer Gili (das Training und Aufwärmen leitet eh Drogba als Spielertrainer) wieder den außer Form befindlichen Dindane statt Sanogo spielen lässt.

Noch schlimmer dann die Auswechslungen. Höhepunkt war, dass Gili Sanogo nicht gebracht hat, sondern den total blinden Aruna Kone. Denke das wäre Stielike nicht passiert. Ein Wahnsinn auch die Unleistung von Stuttgarts Boka und Bakari Kone, so dass Ägypten souverän 4:1 gewann. Einziges Highlight der Ivorer war wieder ein absolutes Hammertor von Keita. Den kennt man ja schon von Olympique Lyon aus der Champions League.

Man of the Match ganz klar Torwart El Hadary. Meiner Meinung nach auch stärkster Spieler des Turniers, aber das wird ja nie ein Torwart ungerechterweise. El Hadary saß im Flieger von Kairo nach Accra übrigens neben Jason im Flieger, denn die Ägypter flogen Economy. Jason hat da ein lustiges Video von diesem total chaotischen Flug gemacht. Und El Hadary hat sich Jason selbstbewusst als „best goalkeeper in Africa“ vorgestellt, was sein Trainer auch bestätigte „Yes, he is the best goalkeeper in Africa“ ;) . Außerdem versicherte der Trainer Jason auch, dass Ägypten auch diesmal gewinnen werde, dieses Selbstbewusstsein war berechtigt.

Nach dem Spiel stelle ich fest, dass die Holländer sich leider alle in Stadionnähe einquartiert haben, demnach muss ich alleine zurück in die Guestline Lodge. Dabei begegnet mir der Spielerbus der Ägypter, bei denen die Spieler sich aus den Festern lehnten und sich von den Leuten in Kumasi feiern ließen. Auch mir gratulierten diverse Leute zum Sieg, im festen Glauben, ich sei Ägypter. Da war aber nicht mein inzwischen gut gezüchteter Vollbart Schuld, das ging in diesen Tagen allen Weißen so, sogar den blassen Engländern.

In der Guestline hatte sich das Wasserproblem etwas entspannt, da es am Vortag erstmals seit Herbst mal geregnet hat. Sehr schön. Freitag war dann mal wieder ein Ruhetag. Ich hatte ursprünglich mal viele Pläne für Kumasi, das Obuari Wildlife Reservat, ein Ashanti Schrein, der Lake Bosumtwi. Und ein Erholungstag am sicherlich sehr schönen Lake in einem Upmarket Hotel (soll es dort geben), wäre sicherlich auch das richtige gewesen. Aber ich war nicht mehr in der Lage, den Transport dahin zu organisieren, die Zeiten von Bus, Trotro und auch Taxi waren irgendwie vorbei. Und alleine schon gar nicht. Also blieb ich in Kumasi und spazierte ein wenig durch die Stadt und diesmal auch über den Markt, der Dimensionen einer Kleinstadt hat. Den Laden von der Mutter von Sammy Kuffour habe ich allerdings nicht gefunden, die Holländer waren am Vortag dort. Dafür zirka 100.000 Fledermäuse, die fast den ganzen Himmel schwarz färben, gesehen. Ansonsten nur chillen und entspannen.

Und schon ist Samstag, das Spiel um Platz 3. Ghana-Elfenbeinküste, da kann man sicher in keinster Weise von einem uninteressanten Spiel der Verlierer sprechen. Karten waren trotzdem auf der Post problemlos zu bekommen, die Leute sind ja nicht die allergrößten Vorverkaufsfans. Die Hütte war aber dennoch fast voll, klar, Ghana hat ja immer in Accra gespielt und das war die Chance für die Leute in Kumasi, ihre Lieblinge zu sehen.

Aber halt, halt, erst mal HSV. Und anders als in Mole konnte ich hier problemlos online dabei sein. Problemlos bis zur 25. Minute, als das Internet erst mal den Geist aufgab. Da bis zur Halbzeit nix mehr ging, bin ich entnervt erst mal was essen gegangen. Leider erholte sich der Netzzugang in der Zeit nicht, erst die Schlussphase konnte ich wieder mitzittern. 1:1, damit können wir gut leben. Hurtig, ins Stadion, in 30 Minuten geht’s ja schon los. Sollte es losgehen, denn erst mal wurden die Hymnen nicht gefunden, dann waren diese praktisch unhörbar. Zehn Minuten später geht’s dann doch los. Bei den Ivorern spielt der 3. Torwart, bei Ghana stürmt Baffour Gyan in der Mitte, Agogo auf links und Draman auf rechts. Draman wird in Ghana Dramani genannt, spielt in Moskau und ist bei den Einheimischen im Gegensatz zu Asamoah Gyan sehr beliebt. Ich find den nicht so stark.

Den Auftakt macht allerdings Ghanas Oberliebling Muntari. Unwiderstehlich zimmert er einen Freistoß aus großer Entfernung ins Tor, sein Markenzeichen. Danach weiter Chancen für die furios aufspielenden Ghanaer, doch dann steht es plötzlich 2:1 für die Elfenbeinküste. Wieder mal typisch, man hat noch gar nicht registriert, dass Sanogo überhaupt spielt und schon hat er zweimal genetzt. Hat Gili es also doch noch kapiert, wenngleich zu spät. Kurz darauf schupft Sanogo noch einen Heber an die Latte und Ghana vergibt wieder reihenweise Chancen.

Zweite Halbzeit tun sich die Hausherren lange Zeit sehr schwer, dann startet der trickreiche Quincy einen furiosen Alleingang, den er mit dem Ausgleich krönt. Kurz davor erreichte eine biblische Insektenplage das Stadion, das waren aber eher Motten als Moskitos. Angeblich gilt das bei den Einheimischen als gutes Zeichen, das konnte aber nicht endgültig geklärt werden, diesmal hat es jedenfalls gestimmt.

Es kommt die 80. Minute. Was für ein Rotzspiel von Agogo bisher, aber die unsichtbare Hand, die das Drehbuch wie so oft bei Spielen um Platz 3 sehr interessant geschrieben hat, verwöhnt ihn mit dem Auftrag, einen Traumpass zum 3:2 zu verwerten. Was folgt ist Ekstase pur und ein ohrenbetäubender Lärm. Gottseidank sitze ich diesmal auf der Haupttribüne, auf der man ein Spiel wie dieses noch am ehesten ohne Hörsturz übersteht. Wie sagte Matt so schöne bei Tunesien-Kamerun in Tamale, „this will be a noisy game“. Aber man kann ja immer noch einen draufsetzen und so fasst sich paar Minuten später Draman ein Herz und knallt einen fiesen Aufsetzer zum entscheidenden 4:2 in die Maschen. In der Nachspielzeit ist Ghanas Trainer Le Roy völlig ausser sich, weil er einen verletzten Spieler nicht auswechseln darf, aber dann nur mehr Freude nach dem Schlusspfiff.
Schon so oft habe ich gesagt, das Spiel um Platz 3 ist meistens eines der besten im ganzen Turnier, aber niemand mag es. Mir egal, jetzt gibt’s erst mal einen Schal (!) für die Verlierer und für Ghana die Bronzemedaillen. Für mich ist allerdings nicht Entspannung angesagt, denn ich will jetzt noch zurück nach Accra und hab hierfür auch mein ganzes Gepäck ins Stadion mitgebracht. Da natürlich kein regulärer Bus mehr fährt, habe ich auf einen Medienbus spekuliert, denn irgendwie müssen die Leute ja schnell zurück nach Accra, morgen Nachmittag ist ja Endspiel.

Die Spekulation war dabei durchaus richtig, denn es gibt tatsächlich einen Medienbus. Allerdings bin ich nicht der einzige, der auf diese schlaue Idee gekommen ist, zwei Schweizer haben den bereits geentert als ich einsteige, lange vor den ganzen Journalisten. Eine Stunde nach Spielende hat sich das Ding dann ganz gut gefüllt und eigentlich könnte es losgehen. Wär ned schlecht, denn es hat deutlich über 30 Grad und die Klimaanlage arbeitet nur, wenn der Bus fährt. Leider fangen zwei Leute einen sinnlosen und eskalierenden Streit um einen Sitz an. Ich denke mir noch, so wie die Organisation hier bisher lief, kann es doch niemals eine Liste mit den Passagieren für diesen Bus geben. Da kommt auch schon das Kommando, alle raus, damit die Liste geprüft werden kann. Es werden also die Leute auf der Liste aufgerufen und die dürfen einsteigen. Jetzt hilft nur mehr rumstänkern und das Mädel mit der Liste einschüchtern, sonst endet das tragisch. Projekt klappt auch und letztlich dürfen eh alle mitfahren, total sinnlose Aktion das ganze, nur weil einer unbedingt auf dem selben Sitz Platznehmen wollte wie auf der Hinfahrt.

Dieser entschuldigt sich dann wortreich bei allen, die er „eventuell schlecht behandelt“ hat und setzt zu einer kleinen Predigt an, als der Bus endlich losfährt. Leider fährt der Bus nicht in Richtung Accra, sondern zu einer Tankstelle in der Innenstadt. Offenbar tankt der Fahrer nur da, weil da Verwandtschaft arbeitet oder so. Das Stadion liegt nämlich auf der Straße nach Accra und der Weg durch das Verkehrschaos in die Innenstadt hat uns eine gemütliche dreiviertel Stunde gekostet. Verkürzt wird das aber durch die lustigen Fürbitten des Chaosauslösers. Highlight für mich „May this bus be covered by the blood of Jesus“. Die anderen Passagiere kommentieren jeden Satz korrekt mit “Amen”.

Nun, das Blut von Jesus ist offenbar auch nicht mehr ganz frisch, denn 5 Minuten nachdem wir das Stadion erneut passiert haben, geht der Bus ein. Es folgen völlig dilettantische Reparaturversuche, der Busfahrer drischt mit einem Schraubenschlüssel auf den Motor ein und alle Fahrgäste leuchten den Motorraum mit ihren Handys aus und geben gute Ratschläge. Woman in Charge ist wohl das Mädel mit der Liste, die aber auf Anfragen „Kommt ein Mechaniker?“ bzw. „Kommt ein Ersatzbus?“ keinerlei Antwort weiß. Soviele Wochen wurde ich in Ghana in den größten Schrottbussen und Schrotttaxen von Pannen verschont, aber jetzt war ich dann doch noch fällig. Erstmal im Crystal anrufen, dass ich irgendwann in der Nacht ankommen werde.

Die Wartezeit verkürzte man sich mit den einheimischen Journalisten und der großen Diskussion um die Elf des Turniers. Und irgendwann hieß es dann, der Bus fährt wieder. Warum weiß ich nicht, professioneller Mechaniker kam keiner, soweit ich das überblicken konnte. Der Bus hielt auch bis Accra, das wir gegen halb 2 erreichten. Der Busfahrer ließ mich am Nkrumah Circle raus, dort musste ich noch ein Taxi für 3 Cedi nach Darkuman organisieren, was mittlerweile eine meiner leichtesten Übungen ist, auch wenn die Fahrer die Verhandlungen weiterhin konsequent mit utopischen 15 eröffnen und ich mit 3.

Als ich um 2 Uhr im Crystal ankam, trudelt doch gleichzeitig ein Taxi mit meinem holländischen Freund Edwin ein. Große Wiedersehensfreude und Uncle ist auch noch auf und teilt mir nach überschwänglicher Vater-Sohn-Begrüßung ein neues Zimmer zu. Dieses ist sehr gut, ein 3er-Zimmer, aus dem ich gleich auf deutsch begrüßt werde. Von wem weiß ich zu dem Zeitpunkt nicht, da es ja dunkel ist. Aber erst mal feiere ich mit Edwin die Rückkehr nach Ghana, hierzu bringt er völlig überraschend eine Flasche Glenfiddich zum Vorschein.

Nächster Tag, der Tag des „Grande Finale“, wie es auf den Tickets steht. Meine Kollegen Matt und Jason haben das Wochenende nicht in Accra sondern am Krokobite Beach in einem Nobelhotel verbracht, erfahre ich mit Entsetzen. Mein Neid hält sich in Grenzen, auf das Spiel um Platz 3 hätte ich keinesfalls verzichten mögen. Wie auch immer, das Team ist zum letzten Mal vereint. Und so bricht man kurze Zeit später zum Stadion auf. Jason will allerdings vorher unbedingt Man Utd-Man City sehen, aber den Tag des Finales verbringe ich sicher nicht in einem Irish Pub mit englischem Fußball. Also eine erneute Aufspaltung, ich erklär mich bereit, inzwischen die Tickets zu besorgen.

Diese kosten auch weiterhin nur 4 und 15 Cedi, allerdings sind die Kassenhäuschen zu und es laufen nur halboffizielle Verkäufer ums Stadion rum. Diese haben allerdings keine Haupttribünenkarten und das wäre für die Schlussfeier schon schön. Hilft nix, Gegentribüne muss herhalten. Das Spiel entwickelt sich zu einem rassigen Finale, in dem beide Mannschaften offensiv agieren. Trotzdem steht es lange Zeit 0:0 und man vermutet, dass sich Kamerun wieder irgendwie zum Sieg nudelt. Das verhindert aber ausgerechnet der Sportskamerad Zidan mit einem der geilsten Zweikämpfe der Fußballgeschichte. In der 77. Minute beginnt er einen Zweikampf gegen Rigobert Song, der sich über gefühlte zwei Minuten hinzieht und mit Zidan als Sieger endet. Den grandios eroberten Ball spielt er mit Übersicht Abu Trika in die Beine, der mühelos zum 1:0 abstauben kann.

Interessanterweise hält der Großteil der Ghanaer zu Ägypten, unvorstellbar eigentlich, dass Zentralafrikanern zu Arabern halten. Und auch wir hätten vor dem Turnier nie geglaubt, dass wir mal zu Ägypten halten würden, aber so kann man sich täuschen. Kamerun als Turniersieger, das hätte irgendwie nicht gepasst, auch wenn ich die ganze Zeit getönt habe, dass ihn Ghana niemals eine arabische Mannschaft Turniersieger werden würde.

Erfreulicherweise kann man sich im Stadion von Accra frei bewegen wie in der Nordbank, so dass ich zum Schlusspfiff und zur Schlussfeier von der Gegen- auf die Haupttribüne sprinten konnte, um gescheite Fotos von der Pokalübergabe zu machen. Die Abschlussfeier war ein wunderbarer Abschluss eines wunderbaren Turniers. Danach war nicht mehr viel los, wir gingen noch Abendessen in Adabraka und dann zurück ins Hostel, alle waren noch reichlich KO vom Vortag. Dort aber noch eine lustige Szene miterlebt. Edwin wollte sich eine Klamotte schneidern lassen und die Schneiderin war gleich gegenüber. Das wollte ich mir ansehen, obwohl die Enttäuschung groß war, dass das Dress nicht für ihn, sondern für seine Freundin war. Hierzu nahm er ein Mädel aus unserem Hostel, Fiona, als Anschauungsobjekt mit. Bei der Schneiderin wurde also erstes „What about the level of Fatness“ von Edwins Freundin gefragt, als zweites wurde dem Foto entnommen, „The breasts are very little“. Herrlich. Edwin hätte nun gerne gesagt, dass die Brüste zwar kleiner als die der Schneiderin, aber größer als die von Fiona seien, aber das konnte er vor Fiona natürlich nicht sagen. Ich habe mich köstlich amüsiert, auch als die Schneiderin meinte, ich sähe aus wie „John, the Baptist“ und ich konterte, „meine Oma sagt aber immer, ich seh aus wie Jesus“.

Montag, die Abreise rückt immer näher. Um die Rechnung im Hostel bezahlen zu können, brauchte ich allerdings noch mal ordentlich Cedi, also in die Stadt. Und zum Schluss noch mal die ganz alte Trotro-Schule, damit man das nicht vergisst, so ein Sammeltaxi mit 25 Leuten eingepfercht. Dort teilten wir uns kurz auf, weil Abheben mit Mastercard in der Barclays Bank ne Stunde dauert und ich und Jason nur Bargeld wechselten, was 30 Sekunden dauerte. Ich suchte noch nach paar Souvenirs und einem Trikot von Asante Kotoka. Letzteres scheiterte, da es in Accra dreimal so viel kosten sollte wie in Kumasi und die Leute in diesem „Cultural Center“, das nur aus Souvenirständen bestand, ziemlich unsympathisch waren. Jason wusste das schon und wartete draußen auf mich. Er erzählte mir, dass er beim Warten, sechs interessante Leute kennengelernt habe: „Der erste dachte, ich wäre krank, der zweite wollte mir irgendwas verkaufen, der dritte war ein Schulkind, der vierte ein Homosexueller, der fünfte fragte, ob ich alleine bin und der sechste war ein Moslem“. Nicht schlecht, ich war ja nur ein paar Minuten weg, aber das ist halt Accra.

Leider passierte mir dann, als es schon dunkel war und die anderen schon zurück zum Crystal sind, noch ein klassischer Unfall. Da gibt es ja zwei Sachen, entweder man fällt in den Kanal, was mir zweimal passiert ist, aber harmlos endete, oder man rennt in einen vor allem im Dunkeln unsichtbaren Stacheldraht. Der soll verhindern, dass Fußgänger beim Kreisverkehr einen Abschneider nehmen und das gelang ihm bei mir auch sehr gut. Mit der Hilfe von netten Passanten konnte ich mich wieder befreien, mit blutenden Unterschenkeln.

Trotzdem mit Trotro zurück zum Hostel und so kam auch noch das antibiotische Gel für offene Wunden zu seinem Einsatz. Für heute abend war unsere große Abschlussfestivität geplant, da Matt auch noch morgen Geburtstag hatte und man da schön reinfeiern konnte. Jason wollte natürlich vorher das englische Montagabendspiel in Irish Pub sehen. Irish Pubs außerhalb Irlands oder Englands sind aber gar nicht meines, da reichlich uncool. Irish Pubs sind irgendwie wie Mc Donalds nur völlig überteuert. Als wir Jason und zwei weitere Partygäste dort nach dem Spiel einsammelten, hat sich dieser Eindruck noch mal ordentlich bestätigt.

Abendessen wollten wir beim Inder, auf Wunsch des Geburtstagskindes, aber erst blieben wir bei ner Tanke hängen, um Savannah Cider nachzutanken. So war es schon nach 22 Uhr und die meisten Lokale machen früh dicht in Ghana. Zum Inder mussten wir auch noch ein Stück laufen und kuriosen Gestalten begleiteten uns durch dunkle Gassen, in der Hoffnung wir kaufen ihnen irgendwelchen Ramsch ab oder zahlen wenigstens ein Bier. Der Inder hatte aber dicht, also zurück zur Oxford Street, der Hauptstraße von Osu. Dort wurde es eng zeitlich. Uns begegneten jetzt mal echte Ägypter, bei denen Jason überraschenderweise ägyptisches Geld in Cedi wechselte. Diese kamen aus dem Monsoon Restaurant, einem Nobelschuppen, der noch offen haben sollte. Bekannt für seine Wildscheinsteaks, hört sich gut an. Aber auch zu.

Letzte Hoffnung der Pizzaladen. Und der erlaubte uns auch noch eine Bestellung, hui das war knapp. Pizza war sehr sehr lecker und jetzt ab ins Nachtleben. Hmm, was hat denn noch auf? Nicht viel, aber es soll da noch das Teddys geben. Das war dann auch der Knaller. Das Lokal war mehr ein Stand am Straßenrand mit paar Barhockern und Tischen. Geleitet von einem eher schmierigen Typen aus Bonn, der Kaiserslautern-Anhänger war. Sachen gibt’s.

Die Biere waren aber kalt und billig und so ging es dahin. Rätselhafterweise tauchten die Typen von eben wieder auf und durften sich von uns alkoholgeschwängerte Schwachsinnsgeschichten anhören. Ich nannte Jason nur mehr den Sniper, so hat sich ein durchgeknallter Security-Typ in Kumasi mir vorgestellt, der mal meine Kamera beschlagnahmen wollte. Die Warnung, sich nicht mit dem Sniper anzulegen, nahm der kleine Junge aus Accra aber ernst, denn als ihn Jason losschickte uns zwei Biere vom Stand zu holen, stimmte das Wechselgeld bis auf den letzten Persewa. Dafür wurde der gute Junge dann auch mit einem Guinness belohnt.

Im Laufe des Abends überstieg dann die Anzahl der Prostituierten, die aus den Clubs kamen, die wir nie gefunden haben, dann deutlich die der Gäste und die Girls stritten sich lustig catfight-mäßig untereinander, wer mit wem von den Obronis reden dürfe. Irgendwann war der Sniper dann komplett durch den Wind, da er die Biere wohl zu oft mit Schnapseinlagen unterbrochen hat. Wir schleppten ihn zu einem Taxi in dem er friedlich und unsnipermäßig einschlief, während die Verhandlungen über den Fahrpreis noch in vollem Gang waren. Als dann das Crystal erreicht wurde, graute der Morgen, genauso muss eine Abschlussfeier enden.

So war es auch höchst notwendig, dass nervige Dinge wie eine Check-Out-Zeit im Crystal völlig unbekannt sind. Es wurde lange geschlafen und am Nachmittag gechillt, lediglich eine Sache war noch zu erledigen, die große Foto-CD brennen. Leer-CDs hätte ich ja dabei gehabt, nur haben wir insgesamt Foto- und Video-Material von 4,22 GB produziert. So musste eine Leer-DVD besorgt werden, was mit etwas Mühe auch in Darkuman gelang. Dann die großen Verabschiedungen, Abschiedsfotos etc. Die Zeit im Crystal war wirklich ein „home away from home“, entsprechend überschwänglich wurde Uncle und Auntie dafür gedankt.

Ein letztes Taxi noch zum Airport. Dann ging erschreckend problemlos zu 5 Cedi, obwohl die Fahrt wegen dem Verkehr ne Stunde dauerte. Der Taxifahrer kaufte unterwegs sogar auch noch Cockpitpolitur und sorgte während der Fahrt für ein glänzendes Armaturenbrett, damit ich mich in seiner Kutsche auch rundum wohl fühle, Zitronenduft eingeschlossen. Letzten Cedis am Airport ausgegeben und ab in den Flieger.

Zürich-Epilog

Der Service bei der Lufthansa war zwar genauso schlecht wie beim Hinflug, aber das Personal war teilweise freundlicher, na immerhin. Gerne hätte man etwas Verspätung in Frankfurt gehabt, aber um kurz nach 5 musste man raus. Der Flieger nach Zürich geht erst kurz vor 8, aber es gibt in Frankfurt immer noch diese Samsung Internetterminals. So fast den Weiterflug verpasst, mit dem Versuch diese Valentinstickets von Tuifly für den Rückflug der Freundin nach HH zu buchen. Aber in Frankfurt werden ja die fehlenden Passagiere auf deutsch ausgerufen und so gerade noch die Kurve gekriegt.

In Zürich erst mal warten auf das Eintreffen der HSV-Kumpels. Erstmal Flo mit dem AirBerlin-Flug ab Hannover. Der kam auch pünktlich, hatte aber keine Jacke für mich dabei, konnte mir aber immerhin einen Pullover anbieten. Aber momentan war es in Zürich eh frühlingstemperaturenmäßig, so dass ich es zum Hotel sogar kurzärmlig schaffte. Dieses Projekt konnte gestartet werden, als Ballermann von der Swissair ebenfalls pünktlich eingeflogen wurde. Das easyHotel überraschte mit schönen Zimmern inkl. Bad. Somit war auch die erste heiße Dusche nach 5 Wochen fällig, in Ghana wäre das aber auch sinnlos, da die Dusche hier neben der Reinigung vor allem der Abkühlung dient.

Der Mittwoch wurde allerdings größtenteils verschlafen. Proviant am Nachmittag im COOP Supermarkt eingekauft und abends noch ein grausiges Döner für 8,50 Franken. Aber am Donnerstag zeigte sich Zürich von seiner besten Seite. Vormittags erst einmal die Sehenswürdigkeiten auf dem im Stadtplan eingezeichneten grünen Rundweg abgewandert, das ist wirklich mal eine tolle und sehenswerte Stadt, also das genaue Gegenteil von Zagreb. Highlight sind natürlich die Chagall-Fenster in der Kirche, auch für kunstgeschichtlich eher Ahnungslose wie mich sehr, sehr beeindruckend.

Nachmittags dann die schöne Bootsfahrt, die im Preis der sehr lohnenden Zürich-Card inkludiert ist. War sehr lustig und das Quöllfrisch-Bier perlte ausgezeichnet. Wetter war gut, aber etwas diesig, so dass das folgende Panorama vom Rütliblick nur eine lustige Seilbahnfahrt war. Selbiges gilt für die Polybahn. Es folgte das kulinarische Highlight, ein klassisches Käsefondue in einer urigen Bierstube mit wunderbarer Chefin alter Schule. Eine gute Wahl war das Paprikafondue, das voll unseren Geschmack traf mit angenehmer leichter Schärfe vom Paprikapulver und ordentlich Knobi. Obwohl Baller ein wenig schwächelte, sorgten Flo und ich dafür, dass auch alles aufgegessen wurde und auch Brotstücke haben wir Ungeübte recht wenig verloren, so dass niemand im Rhein versenkt werden musste.

Weiter zum Stadion, wo diverse Sportskameraden begrüßt wurden und auch Korrekta-Andi den wilden Ritt von Offenbach nach Zürich in Rekordzeit bewältigt hatte. Das Stadion mit Holzdach gefiel und überraschte mit Wurstpreise unter dem Niveau der restlichen Stadt. Für uns aber nach dem Fondue sowieso kein Thema. Netterweise zeigte auch unsere Elf eine tadellose Leistung, man hatte den Gegner jederzeit im Griff, zog in Halbzeit zwei das Tempo an und begeisterte uns mit drei schönen Toren. Das geschenkte Phantomtor für Zürich tat der Freude da keinen Abbruch.

Während Andi die Korrekta-Karre umgehend wieder in Richtung Hamburg bewegen wollte, chillten wir im easyHotel noch bei Benfica-Nürnberg mit ein paar Quöllfrisch, nachdem Baller am Vortag für 24 Stunden TV eingekauft hatte. Tja, bei dem Preis von 42 Euro fürs Doppelzimmer kost halt alles extra, die können aber ruhig paar mehr Filialen aufmachen, die Chancen stehen gut, dass sie unsere Lieblingseuropacuphotelkette werden. So gegen 1 wurde uns dann das TV eh abgedreht und man konnte noch paar Minuten Schlafversuche unternehmen, ehe um kurz nach 4 der Wecker klingelte.

Um 5 zum Flughafen, dort noch eine Fahrt mit der Heidi und dann mit AirBerlin zurück nach Hannover. Kurz auf Gerner-Swiss-Air-Baller warten und dann Niedersachsenticket nach HH. Umsteigen in Langenhagen sehr knapp kalkuliert, aber geklappt, so dass man um 12 Uhr wieder in Hamburg war. Nach 34 Tagen und 18 Spielen (17 Ghana, 1 Zürich) ist man dann doch heilfroh, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein.

Auch wenn es eine der kürzeren Extravaganzen war, diese wird mir in besonderer Erinnerung bleiben. Die Zeit in Ghana war wunderbar und alles war deutlich einfacher als erweitert. Wobei natürlich die Basis im Crystal Hostel viel dazu beigetragen hatte, aber der Reiseführer hatte mit „Meet the friendly people of Ghana“ absolut recht, gastfreundliche und nette Menschen sorgten für eine großartige Zeit. Dass ich dann auch noch zügig tolle Freunde kennengelernt habe, mit denen gemeinsam das ganze Turnier und das Reisen noch viel mehr Spaß machte, tat ihr übriges dazu. Zürich war dann ein perfekter Abschluss, in jeder Hinsicht.



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acn ghana 2008


Ghana 4


Nach einigen mehr oder weniger erholsamen Tagen, heute der letzte große Eintrag, denn – unglaublich aber wahr - in ein paar Tagen ist schon wieder alles vorbei.

Der Bus von Accra nach Kumasi am 30. Januar, also Donnerstag, um 7 Uhr morgens. Da sich einige aus dem Crystal auf den Weg machten, brauchten wir sogar zwei Taxen vom Hostel zur Busstation. Der Bus fuhr dann halbwegs puenktlich los, war aber trotzdem wieder an die 6 Stunden unterwegs, wegen massiver Bauarbeiten an dieser Straße.

Da ich bei meinem letzten Besuch in Kumasi bereits ein Zimmer im Presbyterian Guesthouse reserviert hatte, entfiel diesmal wenigstens das Problem der Herbergssuche. Als erstes aber gleich drei Tickets für den Bus morgen früh nach Tamale erworben. Danach Gepäck aufs Zimmer und ab zum Stadion. Den Weg kannte man ja auch schon. Ägypten gegen Sambia hieß das Match und das roch nach gepflegter Langeweile. Ich setzte mich mit den anderen aus dem Crystal in den Sambia-Sektor hinterm Tor auf den billigen Plätzen. Die Jungs aus Sambia machten 90 Minuten ordentlich Krawall und Krach, aber ob man das als Support bezeichnen kann, darüber ließe sich streiten.

Ärgerlicherweise spielte Zidan nicht, trotzdem ging Ägypten 1:0 in Führung. In der zweiten Halbzeit verdiente sich Sambia den Ausgleich kurz vor Schluss, nützte aber nix mehr, da gleichzeitig Kamerun gegen den Sudan natürlich keine Punkte ließ. Abhaken und zurück zum Presbyterian, wo die Kollegen Matt und Jason mittlerweile eingetroffen waren. Matt war allerdings in keinem guten Zustand, sondern hatte ziemlich Fieber. Muss wohl eine extreme Busfahrt für ihn gewesen sein, derart angeschlagen. Also großes Ausruhen angesagt, der nächste Bus wartete ja bereits wieder um 7 Uhr morgens.

Allerdings nur auf mich, Matt wollte einen weiteren Ruhetag einlegen und auch Jason hatte keine Lust auf eine zweite Ochsentour binnen zwei Tagen. Mir gelang es dann aber wenigstens ihre Tickets wieder zu verscherbeln. Eines ging an einen ziemlich jungen Engländer, der sogar 6 Monate in Ghana verbrachte und bereits reif für den Heimflug war. Aber jeder will halt alle 4 Stadien gemacht haben.

Der Bus startete dann nicht um 7 sondern um halb 9, weshalb ich mir bereits große Sorgen machte, ob Ankick 17 Uhr in Tamale mit mir stattfinden würde. Aber an Bord war auch wieder der Schotte mit dem St. Pauli-T-Shirt. Und das hatte er schon wieder oder immer noch an! Mentalitádefizite kann man ihm aber nicht nachsagen, denn er hat bisher alle Spiele gesehen, außer die sich überschneidenden. Sprich, er war bereits das dritte mal auf dem Weg nach Tamale. Unglaublich.

Seiner Meinung nach würden wir das Spiel locker schaffen, eine Prognose, die er viele Stunden später aber deutlich revidieren musste. Kurz gesagt, um 16 Uhr erreichten wir Tamale und das Stadion liegt hier nicht ganz so zentral. Auch hier hatte ich am Vortag telefonisch ein Zimmer im Central Guesthouse reserviert, bei einem höchst unfähigen Typen, der mir partout nicht die Adresse von der Hütte sagen konnte bzw. wollte. Er beantwortete überhaupt jede Frage mit “Yes, yes”, was zu interessanten Dialogen a la “Call you tell me the address of the guesthouse” – “Yes, Yes, I know!” und Funkstille führte.

Da ein Zimmer für 3 Leute reserviert war und Matt und Jason in Kumasi blieben, fragte mich der Engländer, ob er ein Bett übernehmen konnte, da er es auch eilig hatte und keine Unterkunft gebucht war. Warum nicht, wenn er eh schon mit Jasons Ticket unterwegs war. Statt einem Dreiibettzimmer gab es aber nur ein Zimmer mit Doppelbett, na prima. Aus Zeitgründen wurde nicht lang überlegt sondern selbiges für 12 Cedi erworben, der Engländer meinte eh, er startet schon um 4:30 Uhr wieder zurück nach Accra. Nachdem der Deal abgeschlossen war, meinte der Hostelchef aber plötzlich, dass sich zwei Männer kein Zimmer teilen dürften, sondern jedere in Doppelzimmer nehmen sollte. Dieser “Gayalarm” ist nix besonderes in Ghana, hatte schon im Reiseführer gelesen man soll das einfach ignorieren. Da es 30 Min vor Ankick war, wurde auch nicht lang diskutiert und ab ein Taxi finden.

So erreichte man um 16:45 das Stadion, da nicht viel los war, konnte der Platz bereits pünktlich zu den Nationalhymnen eingenommen werden. Das Spiel war der schreckliche Hundskick Tunesien-Angola (war eh klar bei der Konstellation in der Gruppe), was mir als das schlechteste Spiel des Afrika Cups 2008 in Erinnerung bleiben wird und entsprechend mit 0:0 endete. Danach noch ein brauchbares Restaurant gesucht und ab in die Falle.

Morgens war der Engländer wie angekündigt schon auf dem Weg nach Accra und ich konnte locker in den Tag starten mit einer überfälligen Dusche, nachdem zuvor im Presbyterian Guesthouse in Kumasi das Wasser leider abends nicht verfügbar war. Selbiges wiederholte sich jetzt hier in Tamale, es gab in dieser Absteige während der 16 Stunden meiner Anwesenheit nie fließendes Wasser. Endlose Busfahrten und weit und breit keine Dusche in Aussicht, na wunderbar.

Glücklicherweise verließ ich aber Tamale bereits um 10 Uhr in Richtung Mole Nationalpark, wo alles besser werden sollte. Am Vorabend im Stadion wurde eine Tour nach Mole beworben, in die ich mich gleich einbuchte, da das sicherlich der bequemste Weg war, die 100 km dahin zu bewältigen. Einzige Alternative ist nämlich ein Bus, der einmal täglich führt und für seine sehr flexiblen Abfahrtszeiten bekannt ist. Unsere Reisegruppe war relativ homogen, alle im Bus waren schwarz, bis auf einen und alle sprachen französisch, bis auf einen. Sprich, es waren Touristen aus Kamerun (keine Ahnung wieso die schon jetzt in Tamale waren) und ich.

Nachdem der Busfahrer gefunden war, konnten wir kurz nach 11 dann doch starten und die letzten 60 km nach Mole sind eine Schlaglochpiste der Sonderklasse, die sich nur in einem guten Bus wie diesem vernünftig bewältigen läßt, oder in einem Panzer. Kurz vor Mole fragte ich, ob wir in Larabanga kurz bei der Moschee stoppen könnten, die soll nämlich eine ganz tolle Sehenswürdigkeit sein.

Das ist die Moschee auch (de.wikipedia.org), aber Larabanga ist die Art von Afrika, die kein Mensch sehen will. Spinner, fertige Typen, bettelnden Kinder, die sich sogar um leere Wasserflaschen prügelten. Und der Obervollidiot samt seinem Kollegen. Irgendwie hat der die Aufsicht über die Moschee und somit die Lizenz zum Abzocken. Eine Besichtigungsgebühr von außen (!) wird fällig, 2 Cedi für den Obroni und 1 Cedi für die “african brothers” aus Kamerun. Und rein dürfen Ungläubige sowie nicht, aber ganz bestimmt nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es drinnen aussieht wie Sau. Und das obwohl, die eingesammelten Cedis angeblich dazu dienen sollten, die Moschee in Schuss zu halten…

Da hat sich der Bastard aber gewaltig geschnitten, weder von mir sah er einen Cent (“talk to my group leader not to me”) und bevor die Kameruner dafür was bezahlt hätten, hätten sie wohl eher ihre Kamerun-Trikots ausgezogen um darauf zu urinieren. Es kam also zu langen und sinnlosen Diskussionen unserer beiden Reiseführer (keine echten Reiseführer sondern junge Burschen um die 20, die Volunteers für Ghana 2008 waren) und dem Moscheeabzocker. Lustig auch das Buch mit den “Donations”, das rumgereicht wurde, mit Phatasiespenden von 50 US Dollar und 100 Euro.

Irgendwann wurde sich auf pauschal 5 Cedis geeinigt, die unsere Reiseleiter dem örtlichen Paten bezahlt haben, aber inzwischen hatte unser Busfahrer leider beim Wenden den Bus in den Straßengraben gesetzt. Während der Bergungsaktion wurde ich von der Dorfjugend vollgequatscht, was aber eher lustig als nervig war. Einer erzählte eine traurige Geschichte, dass der einzige Fußball des Dorfklubs kaputt ist, was seine vielversprechende Karriere ernsthaft gefährden würde. “Oh, I can help you with this”, war ich hilfreich zur Stelle und zeigte auf den Moscheechef, “talk to him, he is the richest man in Ghana and must buy you a new football with the money he steels from innocent tourists”.

Währenddessen hat es unser Bus irgendwie aus dem Straßengraben geschafft, den entscheidenden Moment hab ich verpasst. Also die letzten Kilometer nach Mole in Angriff genommen, wo wir mit deutlicher Verspätung gegen 15 Uhr ankamen. Das gefiel den Kamerunern nun aber gar nicht, weil sie um 17 Uhr zum Training ihrer Lieblinge wieder in Tamale sein wollten. Und dies mit Sätzen wie “Forget the animals, let´s go back” deutlich machten. Aber die Vernunft setzte sich durch und man einigte sich auf eine Stunde Nationalpark. Die Frage Bus oder Walking Tour beantworteten alle mit Bus, ich enthielt mich. Unser geschundener Bus musste dann also auch noch auf einer Strecke die nur für Allradjeeps geeignet war durch den Park gurken. Neben diversen Antilopen und Wildschweinen wurde als erstes eine Python ausgemacht, die ich aber nicht zu Gesicht bekam. Elefanten waren schwierig zu finden, da diese nur Vormittags an den Wasserlöchern enzutreffen sind, drei haben wir dann aber doch noch erwischt. Ansonsten Krokodile und Baboo-Affen.

Zeit um mich von der Gruppe zu verabschieden und den Reiseführern zu verklickern, dass ich im Park bleiben werde. Wir hatten glücklicherweise im Mole Motel schon reserviert und dieses war dann auch eine exzellente Belohnung für alle Strapazen. Kaum hatte ich eingecheckt, kam ein Taxi mit Jason und Matt ums Eck. Die beiden hatten das in Kumasi für den 400 km Trip angeheuert und die Karre gab dabei 5 mal den Geist auf (Benzinpumpe, Reifenplatzer, Ersatzreifenplatzer, Ölpumpe und noch irgendwas), so waren sie seit 8 Uhr morgens unterwegs, aber der Taxifahrer war glücklicherweise früher Automechaniker). Die beiden sahen trotzdem vom Wüstenstaub so verdreckt aus, das man sie beim besten Willen nicht mehr als “obronis” einstufen konnte.

Und ich darf daran erinnern, dass ich ebenfalls seit Accra nicht mehr duschen konnte, was jetzt mit großer Erleichterung endlich nachgeholt werden konnte. Wir hatten ein Topzimmer, riesig groß mit drei ordentlichen Betten und es begann das große Erholungswochenende. Am Samstag machten wir dann die Safari zu Fuß genau zur richtigen Zeit, als die Elefanten zu den Wasserlöchern marschierten. “Unter friedlichen Dickhäutern” versteh ich aber was anderes, nachdem ein Elefantenbulle meine fotografischen Aktivitäten sehr angriffslustig beantwortete, sehr zum Amüsement der im sicheren Hochsitz befindlichen Kollegen.

Am nachmittag wurden dann die Vor- und Nachteile des Mole Nationalparks im Vergleich mit dem wunderbaren Safaripark Hodenhagen ausfürhlich bei diversen Kaltgetränken erörtert. Ich war mittlerweile vom Star auf das dunkle Castle Stout umgestiegen, ein extrem leckeres Bier aus Südafrika. Das Mole Motel hat übrigens auch einen sehr erfrischenden Swimming Pool und das Restaurant verdient auch Lob.

Für mich endete das Idyll aber am Sonntag, denn ich brauchte Internet, da ich mich ja auch im Urlaub dazu zwangsverpflichten ließ, am Wochenende 4 Stunden zu opfern, damit kein anderer extra dafür eingeschult werden muss (und mein heiliges EXCEL-File verwüstet, wie es vor einigen Jahren mal eine Aushilfe getan hat, als ich auf der internetlosen Insel Flores in Indonesien war). Und Internet gab es weit und breit nicht, also blieb mir nix übrig, als den einzigen Bus am Sonntag zu nehmen. Der sollte um 4:30 Uhr fahren, mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Losgefahren ist er dann um 4:20 Uhr, das hätte sehr unschön werden können, wenn ich nicht frühzeitig dortgewesen wäre. Die Fahrt habe ich großteils gesclafen und nix mit bekommen. Wir waren schon kurz nach 7 Uhr in Tamale und das Mädel das neben mir saß, stellte die sehr schlaue Frage “Why are you sleeping all the time” – “Because I am tired”.

Bloß nicht nochmal das Central Guesthouse in Tamale. Empfohlen werden vom Reiseführer einige Unterkünfte im Norden der Stadt, das “Christian Guesthouse”, das “Catholic Guesthouse” und noch ein katholisches namens TICCS. In letzterem bin ich auch gelandet, kein schlechter Platz vom unfreundlichen und unkooperativen Manager mal abgesehen. Vor der Arbeit noch Power Nap bis 10:30 Uhr gemacht, dann Produktivität gezeigt und so war ich zum Ghana-Nigeria-Halbfinale pünktlich vorm Fernseher der zum TICCS gehörenden Jungle Bar. Kirchliches Gästehaus und Alkoholausschank sind in Ghana gottseidank kein Widerspruch, siehe auch 12,2 Prozent Bier im Stadion.

Ghana gewann ein hochdramatisches Spiel gegen den Erzrivalen Nigeria verdient mit 2:1 und dementsprechend fiel die Party in Tamale, das schon während dem Match von diversen Explosionen wach gehalten wurde, aus. Ich mischte mich mit den anderen Obronis aus dem TICCS noch ein wenig unters jubelnde Volk, ehe das zweite Match anstand. Hier setzte sich die Elfenbeinküste gegen Guinea ohne Feinduono erwartet klar durch, ich bin aber schon nach dem 3:0 ins Bett, was für ein Tag.

Am Montag wurde dann der Spieß umgedreht, während ich gemütlich ausschlafen und dann Cappucino im Garten trinken konnte, waren die lieben Kollegen fällig für den Morgenbus von Mole nach Tamale. Ich begann mir gegen 9 Uhr etwas Sorgen zu machen, ob die überhaupt noch kommen, aber um halb 10 trixten sie dann auf, reichlich bedient. Gar nicht mal so leer der Bus am Montag in der Früh, wer hätte das gedacht. Also weiteres kollektives Entspannen, Ägypten-Angola in der Jungle Bar und dann auf zu Tunesien-Kamerun ins Stadion von Tamale.

Ein denkwürdiges Spiel, das hoffentlich eh viele im TV verfolgen konnte. Ich war hier zu Beginn noch eher neutral und wünschte mir ein 2:2 mit anschließendem Elfern, aber die Einheimischen halten natürlich in der Regel nie zu den Arabern, sondern zu den anderen Zentralafrikanern. So wurde der fulminante Start der Kameruner mit der 2:0 Führung auch von einem halbwegs gut gefüllten Stadion entsprechend bejubelt.

Was dann kam, war eine grandiose Leistung und Aufholjagd der Tunesier, die dazu führte, dass das gesamte Stadion und auch alle Weißen die Fronten wechselten. Leider wurde Tunesien massivst vom Schiedsrichter benachteiligt. Allerding saß ich wieder hinterm Tor, somit habe ich nur die erste ganz klare Rote Karte für Kamerun nach einer Tätlichkeit im Strafraum klar gesehen, nicht die vermeintliche zweite für Etoo, die aber aus der Ferne auch ganz eindeutig war. Insgesamt präsentierte sich Kamerun als sehr schmutzige Mannschaft, die bei mir auf lange Zeit alle Sympathien verspielt hat. Tragischerweise schied Tunesien dann mit 2:3 in der Verlängerung aus, “dank” des Schiedsrichters aus Mali, wie ich meine.

Es kam der Dienstag und somit die nächste Busreise. Zurück von Tamale nach Kumasi, aber gottseidank nicht am Morgen, sondern erst um 17 Uhr. Diese war auch dementsprechend strapaziös und ein weiteres Mal gab es Konfrontation mit den Kamerunern. Von diesem im Bus war einer entweder ein Naturdepp, sehr betrunken oder unter Drogen. Jedenfalls pöbelte er schon vor der Abfahrt jeden an und für uns völlig unverständlich wurde er nicht von Bord geschmissen. Während der Fahrt eskalierte es dann und als der halbe Bus forderte, den Saukerl bei der nächste Polizeiwache abführen und in irgendeinen Keller zum Verrotten sperren zu lassen, drohten die anderen Kameruner mit Prügel. Unsere Hoffnung, dass die komplette Bagage in die Hände der einheimischen Exekutive übergeben wird, erfüllten sich aber leider nicht. Polizei kam zwar an Bord, aber außer einer Viertelstunde Geschrei von allen Seiten, passierte nichts weiter.

Gegen Mitternacht wurde dann endlich Kumasi erreicht und wir bildeten erst mal einen geschlossenen Block gegen Übergriffe des Abschaums. Die machten aber zügig die Biege, so dass unser Plan, ein kleines Geldgeschenk für die Polizei von Kumasi bereitzuhalten, damit diese die Gäste aus Kamerun ein wenig mit den bei der ghanaischen Polizei so beliebten Tasern foltert, nicht schlagend wurden.

Am kommenden Tag stand wieder eine Trennung an. Während ich mich für Elfenbeinküste-Ägypten in Kumasi entschied, wollten Matt und Jason zurück nach Accra. Es war unfassbar knallheiß und feucht, als ich die beiden zur Busstation begleitete. Einen Kurztrip auf den riesigen Markt von Kumasi mussten wir daher nach wenigen Minuten wieder abbrechen und beließen es bei einem ausführlichen Abschiedsbrunch. Am nachmittag machte ich nix mehr, am abend hätte ich gern AUT-GER geschaut, mangels Übertragung bi ich mit ein paar Kollegen aus dem Guesthouse zu ENG-SUI in einem nicht ganz seriösen Lokal. Wobei die Mädels dort, sowohl die Bedienungen als auch die Gäste, höchst attraktiv daherkamen. Allerdings überrascht einem die überschwängliche Begrüßung aus der Damentoilette dann doch erst mal. Sowas hab ich zuletzt in Mexiko vor einigen Jahren erlebt und das will was heißen, wenn man in Hamburg wohnt und den Kiez kennt.

So, damit ist der heutige Tag erreicht, der Tag der beiden Halbfinals. Jetzt werd ich erstmal Ghana-Kamerun (bitte, bitte einen Sieg!) in Stadionnähe schauen und dann folgt der Superclasico, der übrigens auch das Endspiel des letzten Afrikacups 2006 war. Tickets kosten immer noch nur 4 Cedi hinterm Tor und 15 Cedis auf den Längsseiten, Finale wird aber angeblich teurer, aber bei den Preisen ist das sowieso nicht der Rede wert. Ich werde bis Samstag in Kumasi bleiben, um das Spiel um Platz 3 mitzunehmen. Dann hoffentlich irgendeinen Ride direkt nach dem Spiel zurück nach Accra zum großen Finale am Sonntag.



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acn ghana 2008


Ghana 3


Wieder zurück von den Frühlingsferien am Strand.

Aber erstmal ging es Donnerstag ja noch in Accra zur Sache mit sehr interessanten Spielen. Erst mal bewahrheitete sich meine Prophezeiung, dass Guinea die Marokkaner panieren kann. Tolles Spiel, 3:2 für Guinea, aber Rot für deren absoluten Superstar Feinduono. Wenn sich das nicht nochmal rächt. Im zweiten Spiel rechnete alles mit einer totalen Vernichtung von Namibia durch Ghana. Überraschung, Überraschung, die Mannen um Collin Benjamin hielten sehr gut mit und hätten mit etwas Glück ein Unentschieden ernudelt. Collo war allerdings nicht so gut drauf und ist nach dem Spiel auch zurück nach Hamburg. gefeiert wurde natürlich trotzdem in Ghana aber deutlich verhaltener und die Kritik am Team fiel recht deutlich aus. Speziell Stürmer Gian Asamoah wurde medial ziemlich mit Dreck beworfen.

Freitag ging es vormittags erneut mit dem Bus nach Takoradi, die Stadt mit dem supergrottigen Hotel Zenith und dem Stadion, in dem mein Handy geklaut wurde. Die Stadt konnten wir allerdings vermeiden, in dem man den Bus bereits an der Stadionabzweigung, die wir diesmal ja schon kannten, verließen. So wurde die Zeit in einer Art Fandorf verbummelt. Dort wurden die Nigeria und CIV-Fans mit einheimischem Essen versorgt und ich mit einer Portion durchaus leckerer Spaghetti Bolognese auf Ghanaisch. Dazu gab es vom offenbar gute Geschäfte machenden Standbesitzer eine Flasche Whiskey aufs Haus und reichlich Cola. Habe ich schon erwähnt, dass das Bier, das im Stadion verkauft wird, "Friends" heisst, aus dem Hause Guiness stammt und geschmeidige 12,2 Prozent auf die Waage bringt? Vorbild, auch wenn es nicht sonderlich schmeckt.

Die Matches sind schnell erzählt. Erst vernichten die Ivorer mit einem blendend aufgelegten Drogba unsere geliebten Squirrels aus Benin mit 5:1. Dann schafft Mali in einem sehr hochklassigem Spiel den gewünschten Punkt mit einem 0:0 gegen Nigeria. Berti Vogts Supereagles benötigen somit Hilfe von der Elfenbeinküste, denn aus eigener Kraft ist das Viertelfinale nicht mehr drin. Nach dem Spiel wollten wir ja Takoradi unbedingt vermeiden und unbedingt gleich an den Strand ins Beach Resort. Hierzu standen die Chancen nicht schlecht, denn der Chef von dem Teil sollte nach dem Spiel seine Frau im Stadion abholen und uns mitnehmen. Wir sollten nach einem weißen Pickup Ausschau halten. Und kaum aus dem Stadion draussen, sehen wir schon einen Pickup voller Obronis. Der war es dann auch und Jason und ich zwängten uns auf die Rückbank während sich Matt das zweifelhafte Vergnügen eine Fahrt auf der Ladefläche gab, die ordentlich mit Leuten vollgepackt war.

Auf dem Beifahrersitz ein weißes paar Monate altes Baby, das ob des Trubels etwas verwirrt dreinschaute. Die Besitzer der Lodge waren dann auch Engländer, die offenbar zuviele Auswanderersendungen auf VOX gesehen haben. Unterwegs durfte ein Teil der Ladeflächenbewohner in ein zweites Auto umsatteln und es ging auf einer zum Schluss wirklich unglaublich schlechten Straße Richtung Beach Resort. Entsprechend dauerte der Trip auch über eine Stunde für 30 Kilometer. Das Resort war dann "Öko-freundlich" was sich beispielsweise in extrem übelriechenden selbstkompostierenden Toiletten zeigte. Ansonsten aber sehr schön und eben direkt am Meer. Die problemlose Anreise wurde nach dem Bezug von drei freien Betten in einem 6er Zimmer noch am nächtlichen Stand gefeiert, mit einer Seemannslaterne, Whiskey und Cola. Davon gibt es ein schönes Selbstauslöserportrait des "Teams", das eher kein Fall fürs Internet ist. Es war halt ein harter Tag bzw. Woche, was den Leuten auch anzusehen ist, hat nix mit dem Alkohol zu tun.

Als man dann ins Bett wankte, eine unangenehme Überraschung nach einem Tag, an dem eigentlich alles perfekt aufgegangen ist. Mein Bett war belegt und der Okkupator beharrte darauf, dieses schon seit Tagen sein eigen zu nennen. Also musste die Hütte vom Big Boss zwecks Klärung gesucht werden. Das war im Dunkeln sehr, sehr schwierig, gelang aber. Diese löste, nachdem wir ihn endlich aufgeweckt hatten, das Problem sehr unoriginell, in dem einfach eine weitere Matraze ins Zimmer geworfen wurde.

Am nächsten Tag wurden wir dann mit einem wirklichen Traumstrand, der an die Locations in Thailand oder Malaysia durchaus rankommt, belohnt. Entsprechend stand totales Relaxen auf dem Plan, ausführlich frühstücken (englisch!), baden im Meer bei gewaltigen Wellen, rumliegen und lesen.Die Matches in Kumasi, die wir am Samtag schwänzten, wurden natürlich im TV verfolgt. Das erste gleich recht kurios in einer naheliegenden Siedlung von Einheimischen. War aber irgendwie nicht so ganz das wahre, so dass wir das zweite, welches einen weiteren klaren Favoritensieg brachte, im Resort bei miesem Bild anschauten.

Das Resort war überhauprt sehr gut besucht, kein Wunder, da es ja einen der schönsten Strände Westafrikas haben soll. Mehrheitlich war es aber in der Hand von Fußballfans, womit sich das Gesprächsthema für den angebrochenen Abend von selbst ergab. Der nächste Tag brachte dann "more of the same", nur dass wir nicht mehr ins Dorf gingen. Stattdessen stellte sich raus, dass Jason aus Stoke durchaus eine ungefähre Ahnung hatte, was ein weißer Spritzer ist. Allerdings glaubte er, dass wir den nicht gerade edlen italienischen Weißwein aus der Strandbar nicht mit Wasser sondern mit Spite mischen würden, was dann ja ein süßer Spritzer wäre und der kommt, wenn überhaupt, nur mit Almdudler in Frage. Was sie hier nicht ham. Also ganz klassiches nachmittägliches eiskalte weiße Spritzer trinken bei einer extrem feuchten Gluthitze. Die Spiele am Abend brachten einen höchst erfreulichen Sieg für meine Angolaner gegen den Senegal und eine weitere miserable Performance der Südafrikaner gegen starke Tunesier.

Das war also das erholsame Strandwochenende, das in der tat keine Wünsche offen ließ. Ein Problem gab es aber, trotz Autan und Moslitonetz kassierten wird unzählige Insektenstiche. Matt schien das nicht zu stären aber Jason und ich waren uns sicher, dass das Doxyzyklin in unseren Körpern einen harten und hoffentlich erfolgreichen Kampf gegen die Malaria führt. Mal sehen wie das weitergeht.

Weitergings erstmal Montag morgen um 6 Uhr. Per bestelltem Trotro erst nach Takoradi und dort mit einem Van mit Klimaanlage (nobel, aber nur 40 Cent teurer als der Bus und 2 Stunden schneller) zurück nach Accra. Der Fankönig konnte sich dabei den Beifahrersitz schnappen und somit friedlich vor sich hindösend die Stadt erreichen, die bei ihm mittlerweile heimatliche Gefühle auslöst. Was natürlich an den wunderbaren gastgebern im Crystal Hostel, der Familie Quaynor liegt. Viel Zeit für Wiedersehensfreude blieb aber nicht, denn ich hatte im Gegensatz zu den anderen mein Ticket noch nicht in den Händen, sondern einen Holländer telefnisch mit der Organisation beauftragt. Dieser hat das aber blendend hinbekommen, so dass man voller Vorfreude auf das Knallerspiel Ghana-Marokko blicken konnte.

Dieses gewann Ghana hochverdient und souverän mit 2:0, was die üblichen Jubelorgien samt Unmöglichkeit ein Taxi zu bekommen zur Folge hatte. Und eine weitere lustige Anekdote. In den Stadien senden diverse Radiosender ohne Rechte mit Handys an die klassische Radiomikrofone angeschlossen sind, ein wenig illegal. Übrigens haben auch ALLE vier großen TV-Sender die TV-Rechte gekauft aber keiner wollte sie exklusiv rätselhafterweise. Somit laufen die Spiele auf allen Sendern mit unterschiedlichen Kommentatoren. Was die Radiofreunde betrifft, die fangen die Stadionathmosphäre gut ein und sichern sich auch gerne Gastkommentare von Zuschauern aus aller Welt. So hatten ich und der holländische Kollege gestern einige Liveauftritte im ghanaischen "Happy Sunshine"-Radio. Mein Fazit für das ghanaische Radiovolk: "Wenn Ghana diese Form halten kann, dann werden sie in diesem Turnier noch einiges erreichen". Knallharte Analyse, oder?

Nachdem endlich ein Taxi ergattert wurde, der Fahrpreis mühsam ausgehandelt wurde und wie immer zu teuer war, daheim im Crystal. Von Onkel Seth wurden wir mit der freudigen Nachricht begrüßt, dass es anläßlich des Ghana-Viertelfinaleinzugs heute Freibier gibt. Faire Geste, aber ich war von dem Tag so KO, dass ich nach einer 2/3 Liter Flasche Star bedient ins Bett sank. Und da war ich nicht der einzige, 5 Uhr früh aufstehen und den ganzen Tag temperaturen über 30 Grad, das holzt rein.

Und damit sind wir schon wieder in der Aktualität angelangt, nämlich heute. Tickets für CIV-Mali gab es ganz regulär für 4 oder 15 Cedi am Stadion, wie mittlerweile bei jedem Spiel ausser den Ghana-Matches. Leider aber keinen vernünftigen Bus mehr nacxh Kumasi am Vormittag, so dass es mal wieder um 7 Uhr morgens losgeht. Also 6 uhr aufstehen. genau wie übermorgen, wenn es hoch in den Norden nach Tamale geht.
Aber die Vorfreude auf die Spiele ist immer noch da, wenigstens bei mir. Matt schwächelte am Sonntag schon etwas und hat sich die Spiele im TV nicht angesehen. Da er zusätzlich auch noch eine heiße Schokolade statt Kaffee zum Frühstück bestellt hatte, machten wir uns etwas Sorgen, dass das die ersten Schritte zur Homosexualität sein könnten. Wir überlegten schon, ob wir nicht 3 Cedi (also 2 Euro) für eine Runde "Quicktime" in der Soldiers Bar in Accra für ihn zusammenlegen sollten. Bevor wir Sätze wie "Ich geh lieber shoppen und wir treffen uns dann nach dem Spiel" hären müssen. Aber gestern bewieß er mit ordentlicher Support-Mentalitá bei Ghana-Marokko, dass das nur ein kleines Tief am Wochenende war.

Es ist aber trotzdem gut, dass es jetzt in die Viertelfinals geht, denn eine gewisse Müdigkeit verspürt jeder schon, speziell durch die "Double Header", wenn zweimal total überlegene Mannschaften langweilige Spiele gewinnen. Dagegen hilft durchaus der lokale Energy Drink "Blue Jeans", der im Stadion von sehr sehr hübschen Mädels verkauft wird. Anders als in unseren Stadien, wo dem Verkaufspersonal alles Wuscht ist, sehen diese auch überhaupt nicht ein, wieso man keinen kauft, obwohl man so erschöpft aussieht und "Blue Jeans" nötig hat. Kauft man dann doch eine Dose, wird man dafür auch 4 Tage später noch bei einem anderen Spiel überschwänglich als "my great friends" begrüßt. Erwähnenswert sind auch die knallengen kurzen Blue jeans des erwähnten und ausschließlich weiblichen Verkaufspersonals.

Somit beschließe ich den heutigen Eintrag auch mit dem Werbetext auf den Blue jeans-Dosen: "Blue Jeans Energy Dring is highly effective and well acclaimed worldwide by people who live busy active Lifestyles, e.G. Sportmen, Professionals, Business Executives, Students, Drivers. Enjoy it also for great fun and leisure."

Klare Sache, wer mit "busy active Lifestyle" und "Professionals" gemeint ist.



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acn ghana 2008


Ghana 2


Langsam fand gegen Mittwoch die Ticketsuche ein Ende, nachdem zirka 40 Leute neu im Telefonbuch meines Handys aufgenommen wurden und selbiges am Tag oefter klingelte als daheim in der Woche. Um es kurz zu machen, alle Bewohner des Crystal Hostels kamen an ihre Karten, wenngleich auf verschiedensten Wegen. Aber dazu noch spaeter.

Nachdem stressigen gestrigen Tag wollte ich es jetzt dann am Mittwoch endlich mal langsamer angehen. Und ein wenig durch das angeblich beste Viertel der "Innenstadt" streifen, naemlich Osu. Naja, das hat schon viele Lokale, aber ansonsten ist es halt der Teil der Stadt, in dem die meisten Touristenhotels sind. Dementsprechend wird man auf der Strasse staendig angesprochen. Eher nervig. Ich bin dann mal zum Strand runter, um paar Panaromafotos zu machen. In das Osu Castle kann man als Tourist nicht rein, die Polizei bewacht das, als waeren die Goldvorraete da drin, obwohl es nur igendeine verfallene Huette ist.

Dann halt nich und nur ein paar Fotos. Am Weg zurueck vom Strand zur Hauptstrasse gehts an einem Slum vorbei, wobei eigentlich alles am Wasser unten eher ein Armenviertel ist, egal wo. Kurios, woanders wuerden da die teuren Touristenburgen stehen. Auf die Aufforderung der Einheimischen in diese Gegend rueber zu kommen, hab ich aber verzichtet. Haette ich mal besser auf "Come here or they will catch you" gehoert. Denn kaum ums Eck gebogen, werd ich gleich von zwei Herren in Dunkelblau mit praechtigen Maschinengewehren begruesst. Fotagrafieren war da ganz streng verboten, warum weiss zwar kein Mensch und Schild war auch nirgendwo, aber die Diskussion wurde eh gleich ins Hauptquartier verlagert. Dort kuemmerten sich dann so 10 Leute um diesen Fall, letztendlich natuerlich viel Aufregung um nix. EIn Bild wurde geloescht auf dem irgendeine sinnlose Mauer drauf war und unter schwersten Drohungen a la "Wir sind bei Auslaender so unfassbar grosszuegig, ein Ghanaer haette jetzt allerallergroesste Schwierigkeiten wurde meine kurzzeitige Arrestierung wieder aufgehoben.

Raus aus der Gegend, das ist nicht mein Viertel. So wurde der Tag schnell beendet, um im heimeligen Darkuman die Ereignisse bei den ueblichen Star Bierchen im Innenhof des Crystal mit der uebrigen Besatzung Revue passieren lassen.

Leider musste das Kofi Dorm am naechsten Tag einen schweren Verlust hinnehmen, der Kollege aus Wisconsin braxch bereits um 4 Uhr frueh nach Togo auf, um da irgendwo im Norden nach Spuren der ersten Eisenproduktion zu suchen. Was Archaeologiestudenten halt so machen...

Donnerstag sollte dann aber endlich die Ticketsache endgueltig klar gehen. Und ich beschloss auch mal wieder einen Trotro-Tag zwecks Entlastung der Reisekasse einzulegen, weil den ganzen Tag mit Taxi alleine, das geht auch in Ghana gewaltig ins Geld. Ueber Tony, den Ghanaer, dem Ivorer und einem Hollaender kam ich schliesslich zu einem Aegypter. Sollte alles klar gehen, aber erst morgen. Also Freitag und Eroeffnung ist ja bekanntlich Sonntag, naja, den anderen im Hostel gehts ja nicht anders. Bis auf den Amerikaner Matt, der schon zwei Wochen vor Turnierbeginn da war und so am ersten Verkaufstag alles abstauben konnte.

Dafuer hat Tony mal wieder was ausgegraben, eine extrem sinnlose Ehrung fuer den Blatter Sepp. Und Napoleon Blatter bekam dann nach diversen - allerdings sehr sehenswerten Tanzeinlagen - dann auch die hoechste Verdienstmedaille des Kongos. Davor eine praktisch unverstaendliche Rede eines Kongolosen, die wohl in Englisch sein sollte. Und zur Kroenung holt der nachdem er endlich fertig ist, auch noch eine zweite von seinem Minister hervor. Und liest auch diese, die Medaille ist dann aber eher ein Teller. Blatter redet gluecklicherweise franzoesisch, so dass ich nix verstehe. Die Wortspende dauerte aber er nur 30 Sekunden.

Allerdings werden leider noch weitere Medaillien in Gold und Silber von Funktionaeren fuer Funktionaere vergeben, vom CAF (die afrikanische UEFA) Praesidenten, ein riesiger Mann, der in Stoffbahnen in dezentem AOL-Blau gehuellt ist. Ein Preistraeger bedankt sich nett dafuer, dass seine minimalen und voellig vernachlaessigbaren Verdienste fuer den afrikanischen Fussball doch so hoch anerkannt werden. Sehr dezent formuliert! Ein anderer erzaehlt eine "petit anekdote", die sich in "Cologne" abgespielt hat, aber auf franzoesisch.

Danach gibts noch ein Essen, das recht lustig war. Ich sass mit diversen aelteren Suedafrikanern am Tisch und man redete ausfuehrlich ueber Fussball. Der Wein war erneut lobenswert und nochdazu aus Suedafrika. Witzig war, dass jeder, nachdem das Dessert serviert und verspeist war, keine Sekunde zoegerte und blitzartig die Veranstaltung verliess. Dem schloss ich mich an und nahm gleich ein Taxi nach Hause. Diese Rueckfahrt war allerdings etwas spooky. Den Taxifahrer schaetzte ich auf 15 und der Junge hatte Ahnung von nix. Gar nix. Fragt mich, ob ich ihm den Weg beschreiben kann. Ich sag, wenn er zum Kaneshi market fahren kann, ab da dann schon. Er fahert los und versucht eine "Abkuerzung" zu nehmen und verfranst sich sich nach 4 Minuten total.

Steht irgendwo in einem Nachts verlassenen Industriegebiet an einer Kreuzung und entbloedet sich nicht, mich zu fragen "left or right?". Nach einem kleinen Auszucker meinerseits, der verdeutlichte, dass ich keinesfalls nochmal die Worte "Shortcut" und "Traffic jam" hören will, da es keinen Stau um 10 uhr nachts gibt und es über die hauptstraße sowieso schneller geht, konnten wir einen neuen versuch starten. das klappte jetzt erstmal ganz gut, aber dann gab es wieder problems. er fragte mich ständig, wann wir von der hauptstrasse runter nach darkuman abbiegen müssen, bis ich sao verwirrt war, dass ich selber keinen plan mehr hatte. naja, halt passanten fragen, was ich aber sicherheitshalber eh selbst gemacht hab. am ziel der reise angekommen, meinte der Droschkenkutscher "try to give me 6". ich hab es versucht, aber es dann doch bei den vereinbarten 4 belassen. '

Im Hostel dann schnell ein Star zur Beruhigung und das übliche abendliche rumhängen. Das große Thema wie jeden Abend, Tickets für das Eröffnungsspiel. Dazu hatte Edwin, ein Journalist aus Holland, auch was anderes lustiges ausgegraben, den Hexenmeister ("witch doctor") und seine Assistenten. Diese sind dafür verantwortlich, dass alles gut für Ghana läuft und führen dazu diverse Voodoo bzw. Djudju Rituale durch. Morgen sollte er den Meister treffen und der Einladung, mich diesem Meeting anzuschließen, kam ich natürlich gerne nach. Vielleicht konnte man ja dem Großen Satan aus München Pest, Verderben, Tod und endlose Höllenqualen anhängen lassen.

Der Trip führte uns am nächsten Tag in eine interessante Gegend. Tema ist jetzt selbst im Vergleich zu Darkuman eher ein wenig heruntergekommen. Schien zudem das Viertel der Moslems in Accra zu sein. Nachdem wir mit den drei Assistenten, die allesamt Original Trikots (also richtig original, also mit allen aufnähern und so, nix aus dem fanshop) des Olympique Marseille Spielers Ayew, Sohn des legendären Abedi Pele trugen, durch eine Gegend, die wohl noch nie einen obroni (also weißen) gesehen hat, gewandert sind, war das ziel erreicht. Ein sehr kleiner Mann mit Glatze in einem kleinen Hinterzimmer eines Innenhofs sitzt am Boden und liest in einem arabischen Buch. Seine Begeisterung über unseren Besuch hält sich in Grenzen und seine ersten Aussage lassen einen totalen Reinfall befürchten, 0815 geschwafel wie "the better side will win". zur vorbereitung auf das große match heißt die devise heut nacht "sacrifice, remove, check all 30 minutes", aha. dann wieder in der früh von 7 uhr bis morgens. was genau will er nicht sagen, weil dann funktioniert es nicht mehr.

Da er ganz offensichtlich Moslem ist, fragen wir ihn wie sich das witchdoktoren denn damit verträgt. No Problem, meint der Meister zum Thema Islam und Djudju, "the meat in the soup makes it more tasty". Spitze, damit kann man jede Ausschweifung zukünftig bedenkenlos rechtfertigen! Zudem meinen die Assistenten, dass sie am Freitag eh brav in der Moschee sind, am Wochenende dann ein wenig djudju machen und ab Montag dann Allah um verzeihung bitten. Edwin versucht zu klären ob es stimmt, dass Ghana gewinnt, wenn sie in weiß spielen. das haben ihm die assistenten schon gepetzt. Aber auch hier gibt sich der meister sehr bedeckt, die trikotfarbe sei zwar extrem wichtig, aber auch hier muss seine entscheidung am spieltag abgewartet werden. ausserdem darf nix öffentlich gemacht werden, weil sich die spieler sonst nicht anstrengen. wenigstens das klingt logisch.

Jetzt gehts um die werkzeuge. einer der assistenten läuft ja die ganze zeit mit einer art doppelzüngiger peitsche rum, die ganz ganz wichtig ist. wie uns der meister mitteilt, verliert diese ihre kraft für immer, wenn eine frau sie jemals anfasst, was aber natürlich nie passieren würde, denn das weiß ja jeder. aber nicht nur darf eine frau das nicht anfassen, sondern auch man selbst nicht, wenn man vorher die alte bestiegen hat. danach erst duschen, sonst kannst das ding dessen namen ich vergessen hab, wegschmeissen.

als nächstes erzählt er etwas wirres zeug über zwerge, die nur er sehen kann, jederzeit erscheinen können, jede sprache sprechen können und eine message für ihn bereit halten. voraussetzung um die unsichtbaren zwerge sehen zu können, ist 41 tage fasten und einsamkeit. würd mich nicht wundern, wenn er das in seinem kämmerchen absolviert hat. er selbst sieht sich als "spiritual consultant" und voodoo sei was ganz anderes und natürlich weniger mächtiges. so kann er einem vor einem bösen voodoo fluch verteidigen, aber die voodoo jungs einen nicht gegen ihn. das treffen, bei dem unpassenderweise dreimal das handy geläutet hat, beendet er dann mit dem weisen spruch "when we see the problem, we know the solution".

ohnehin zeit mich wieder meinem hauptproblem, dem ticket fürs eröffnungsmatch, zuzuwenden. das ist aber nur mehr formsache und endlich halte ich es kurze zeit später in den händen. auch alle anderen im hostel waren auf unterschiedlichste weise erfolgreich, so dass der abend extrem gutgelaunt abläuft. star trinken und diskutieren wer sich am meisten freut, dass es morgen endlich losgeht. die schottische volunteer teacherin am tisch hält uns offensichtlich nicht für ganz dicht. mittlerweile ist auch ein weiterer deutscher mit seiner freundin eingetroffen, doch der ist bayern fan und somit eigentlich keiner mit dem man ein wort wechseln soll. da er aber aus dem selben ort im sauerland wie ein promintentes mitglied der SC Abteilungsleitung kommt und mich an den anspricht, mache ich eine ausnahme. man teilt sich sogar ein taxi in die stadt. allerdings kreuzt dann später auch noch ein zweiter typ mit schwefelgeruch auf, und das wird dann zuviel. bevor sie über irgendwelche erfolge ihrer pisseimertruppe reden, bei denen sie vor ort waren, wird die ignorefunktion aktiviert. gut so, denn es sind sowieso reichlich interessante leute vor ort. mit matt aus californien und mike aus stoke in england beschliesse ich morgen gemeinsam zum match zu gehen und in der guten laune (star wird in 2/3 liter flaschen serviert) werden natürlich grandiose pläne geschmiedet, mit einem banner aufzutrixen. "Darkuman Obroni Supporters" oder so...

Wie bei allen ideen die unter alkoholeinfluss geboren werden, schaut die sache am nächsten morgen natürlich schon wieder ganz anders aus. aber ned rumsitzen, ab ins zentrum des vergnügens. am stadion steppt der bär auch schon mittags und gegen das was da los ist, wirkt das deutsche schwarzrotgoldene sommermärchen aus 2006 wie ein kindergeburtstag bei ronald mc donald bei dem die hälfte der eingeladenen kinder nicht gekommen ist. herrliche athmosphäre, die vorfreude steigt ins unermessliche. also gleich rein ins stadion. kleine enttäuschung, mein platz ist jetzt nicht so toll, da reihe 2 im oberrang und somit sichtbehindert. die eröffnungsfeier ist dann aber sensationell und alleine die reise nach ghana wert. ich hoffe, das kam im TV halbwegs rüber. die stimmung rockt total und kumuliert dann in einem jubelexzess nach dem 2:1 für ghana in der nachspielzeit durch einen hammerschuss von muntari. toller start für ghana 2008, aber ein wenig schade für guinea, die sehr gut mitgehalten haben und sich vielleicht einen punkt verdient hätten.

danach natürlich chaos auf den strassen und entsprechend lang dauert es, ein taxi zu bekommen. in darkuman gehts zur after match party ins Lovers Inn, dem pub schlechthin in unserer gegend. aber morgen geht es ja gleich weiter und da war noch was. die bustickets nach sekondi für die nächsten spiele haben wir, also matt, mike und ich, erst mittags am weg zum match gekauft und da waren der 9:30 Uhr Bus und der 10:30 schon ausgebucht. einzige alternative 5 Uhr morgens. keine wahl, es steht Elfenbeinküste-Nigeria an, ein absolutes pflichtspiel. wecker auf 4 uhr gestellt, schlaftrunken zur strasse gewankt und gluecklicherweise kommt auch um diese zeit ständig ein taxi. und nicht nur irgendeines, "Doctor Jesus" bringt uns zum Bus. nicht nur shops und häuser werden mit christlichen botschaften geschmückt, auch fahrzeuge natürlich, genauergesagt deren heckscheibe. neben "Doctor Jesus" und "God is the driver" auch allgemeinere lebenstipps wie "Fear women". in dem sinne auch noch eine tolle plakette fürs haus, die ich gesehen habe "This house is prtected by the blood of Jesus".

Im Bus dann überwiegend gedöst und Schlaf nachgeholt, so dass ich von der Fahrt wenig mitbekommen habe. Takoradi war dann nicht gut, extrem fade stadt und schwer, ein zimmer zu bekommen. so landeten wir im "Hotel Zenith", was man ruhigen gewissens als das schäbigste loch weit und breit bezeichnen kann. dass die zimmerlampe rot leuchtete, war auch kein zufall, aber die hotels dürften alle eine zweit- bzw. erstfunktion als puff haben. es gab nur ein einziges zimmer mit zwei betten, aber matt fühlte sich tough genug, auf der couch zu nächtigen. respekt, das gibt eine mentalitätsbanane extra. bezahlt haben wir für die bumsbude sage und schreibe 35 cedi, 25 regulär und 10 für die dritte person, ein witz. aber gut, sowas kommt halt mal vor.

Wenn schon teuer, dann richtig und so gab es mittagessen im "North Sea Restaurant", welches stark deutschen einfluss hatte. chef war wohl lange in deutschland und so waren die bierdeckel von jever, es gab jägermeister etc. ab zum stadion. dieses wurde von chinesen erbaut und die können das bekanntlich. sieht von außen prächtig aus, von innen ein gemütlicher 22000er, der ein wenig an monaco erinnert. auch was den leichtatheltik schmonzes betrifft. völlig sinnlos, in ghana hält man die kerben für stabhochsprung wahrscheinlich für konstruktionsfehler. das spiel verlief unerwartet, vogts nigerianer waren klar stärker, verloren aber wegen einem genialen angriff der ivorer 1:0, während beste chancen für nigeria allesamt vernebelt wurden.

in der pause vor dem zweiten spiel wollte ich mir was zu essen kaufen und stürzte mich dafür in das gedränge vor einem verkaufsstand. die gewünschten frühlingsrollen hab ich zwar bekommen, aber leider wurde mir dabei das handy geklaut. hatte es im fach in der rucksackschlaufe und es genau in dem moment bemerkt, als es zu spät war. natürlich konzentriert man sich da voll drauf, dass die brieftasche nicht wegkommt, trotzdem doof. ums handy selbst ist es nicht sonderlich schad, war eh das vorvorgänger modell von meinem aktuellen, aber die telefonnummern und die handyfotos sind halt auch alle weg. hoffentlich erwischt das dreckschwein irgendwann mal die polizei und läßt ihn in einem kellerloch verrotten. leider befürchte ich aber, dass die da viel zu lax sind, den sausack nur ein wenig durchprügeln, aber dann laufen lassen. wieauchimmer. abendessen mit sepp blatter und so wirds jetzt wohl nicht mehr geben, da alle meine kontaktpersonen mit den gespeicherten nummern verloren gingen.

das zweite spiel, benin gegen mali war natürlich auf einem etwas niedrigeren niveau. und ging erst nach 20-minütigem stromausfall los, der am nächsten morgen schwer übertrieben in den zeitungen als große schande gegeißelt wurde. ich könnt euch da was von schnee aufm dach und einem wackelnden "N" erzählen...
dafür eroberten die squirrels ("eichhörnchen") aus benin unsere herzen mit einem tollen farbigen "Special" magazin, dass das land für ghana 2008 produziert hat und heute verteilen ließ. Titel: "A nation, a People, a President, a Team". Spitzenfotos von Würdenträgern des Landes und paniniartige Vorstellung der Helden, die die Quali für Benin geschafft haben. Auch viele Legionäre, die bei Weltclubs wie FC Portimonense (Portugal 2), FC Bagnes (Schweiz 2), Istres, Cretail (Frankreich 2), Calsale Calcio oder Accrington Stanley aktiv sind. Trotzdem hätten sie gegen Mali fast ein Punkt geschafft, wenn nicht Fredi Kanute von Sevilla (leicht andere Hausnummer) einen fragwürdigen Elfer in der zweiten Halbzeit versenkt hätte.

Nach dem Spiel ging es im Trotro zurück nach Takoradi, wir sind da einfach den Einheimischen gefolgt. Ich war dann absolut KO, aber die beiden anderen wollten sich noch was zu essen holen. Dabei stellten sie fest, dass in der Gegend wie zu erwarten war, Prositution das ganz große Ding ist. Und schon mit 3 Cedi also 2 Euro ist man mit einer Runde "Quick Time" dabei. Gibt also neben Essen noch was zweites, was in Ghana richtig billig ist. Und erklärt vielleicht auch die extreme AIDS-Rate. Auch bei mir wurde diverse Male anklopft, als ich friedlich schlummernd im "Hotel" die Akkus aufladen wollte, obwohl ich extra die rote Lampe brennen lassen hab. Wo wir grad dabei sind, hab ich schon die Zeitung erwähnt, die mit Titelseiten a la "Tutor sleeps with Prostitute who turns out to be his daughter" die Bild alt aussehen lässt. Groß auch das Bild eine Schildkröte mit der Schlagzeile "Security Officer turn into Turtle". Für nächste Woche erwarte ich "Turtle sleeps with prostitute, turn back into security officer".

Auch die Nacht im Zenith wurde überstanden, von den weiteren Besuchen hab ich nix mitbekommen, wurde mir nur von den anderen am nächsten Morgen berichtet. Es galt ein Trotro nach Kumasi zu den nächsten Spielen zu bekommen. Bus kam wegen der Abfahrtszeit 4 Uhr nicht in Frage. Lief aber gut, Trotro war fast voll, als wir an der Station ankommen, so dass wir nur 20 Minuten auf Start warten mussten. Aus wochenlanger Indonesienerfahrung hab ich mir gleich den Beifahrersitz gesichert, so dass die Fahrt im bummvollen Minivan für mich sehr gemütlich ablief.

Machen wir gleich weiter mit Teil 3, draussen ist es eh heiss wie hoelle und das match beginnt ja erst um 5. Vorhin hab ich noch paar Sachen vergessen. Extrem gut gefallen hat mir im Eroeffnungsspiel bei Ghana der Sportskamerad Agogo. Ein grosser Stuermer, spielstark, gut im Abschluss auch ausserhalb des Strafraums und beeindruckendes Kopfballspiel. Paar Tage spaeter lesen wir in der Zeitung, dass der von Nottingham (3. englische Liga!) zu Stoke City (2. Liga) wechseln soll. Unglaublich, der soll sofort zu uns, Herr Beiersdorfer, handeln, jetzt!). Der erste Bayernfan ist uebrigens nur fuers Eroeffnungsspiel eingeflogen, einseits bemerkenswert, andererseits halt typisch Bayernfan ohne jegliche street credability. und kurz vom ankick des eroeffnungsmatches erreichte mich eine sms von edwin, dass die witch doktoren ihm gesagt haben, ghana wird 2:1 oder 4:0 gewinnen und 2:1 wurde es dann ja auch. und ihr lieblingskunde ayew wurde eingewechselt und ihn der zeitung hochgelobt.

Also wir waren in Kumasi bzw. im Trotro dorthin. Dieses ist zur haelfte mit obronis gefuellt und hinter mir auf den billigen Plaetzen sityt doch glatt einer mit einem St. Pauli Poloshirt. Aber, sozusagen als beispiel wie gut bei denen das marketing funktioniert, ein englaender der das ding nur anhat, weil er st. pauli halt sexy findet. ist fan von leeds united, da ist er ja eigentlich eh gestraft genug. aber mentalitaetsbanenentechnisch ist er eine ganz grosse nummer, denn er will die grosse runde, als je zweimal accra, sekondi,kumasi und tamale an den ersten 8 tagen ohne pause machen. und tamale ist 11 stunden mit dem bus von accra entfernt, mal sehen ob er heute puenktlich da ist.

in kumasi haben unsere elterlichen gastgeber aus dem crystal in accra eine uebernachtung fuer uns organisiert. erstmal werden aber bustickets fuer morgen zurueck nach accra gekauft. ein anruf bei unserer kontaktperson julie ergibt, dass wir genau zu dem punkt kommen muessen, an dem das trotro vor einer stunde in kumasi das erste mal gestoppt hatte, na super. es ging also ins teaching hospital in raum 10. dort machte julie auch gleich feierabend, was auch notwendig war, denn das spiel nahte bedrohlich. also split decision, matt faehrt mit julie und dem gepaeck in die unterkunft und wir zum stadion die karten besorgen. absolut kein problem, werden jetzt ganz normal an den kassen verkauft.

Noch ein snack, reis mit beef sauce, obwohl mein magen etwas grummelte, dann rein. da begegnet mir gleich der erste HSVer auf dieser tour, der sich mit umgehaengter 3 euro hsv raute auch deutlich bemerkbar macht. Jan heisst er, ist zwar SC mitglied aber nicht im forum aktiv. im sehr schoenen baba yaya stadion (waere wie accra absolut wm tauglich), haben wir gute plaetze und neben uns sitzen tuerkische scouts von ankaraspor, die man moechte es nicht glauben, den blinden idrissou von duisburg beobachten und verpflichten moechten. habe ihnen stattdessen zidan und oder guerrero empfohlen. und wer sitzt denn da zwei reihen vor mir, Volker Finke!!! da muss ein gemeinsames foto von zwei freunden des afrikanischen fussballs her.

nun geht endlich das spiel los und zu beginn achte ich nur auf atouba, obwohl ich grad ueber ihn geredet hab, hab ich zidan total vergessen. das aendert der aber schnell mit einem unglaublichen spiel und grandiosen toren. so hab ich ihn noch nie gesehen und die anderen spotten natuerlich, dass er halt hier bessere mitspieler hat. zidan hat also einen schoenen beitrag zur wiedererhoehung seines total zusammengebrochenen marktwertes getan, mal schauen, ob die ankaraspor leute die 4 mio die ich fuer ihn haben wollte, zusammenbekommen oder doch idrissou holen. aegypten war klar besser und gewann verdient 4-2. kameruns trainer otto pfister hat da einiges zu tun, sonst ist nach dem spiel gegen sambia gleich schicht im schacht. das zweite spiel gewann naemlich sambia verdient mit 3-0 gegen den sudan, der aber gar nicht so schwach war.

viel war dann nicht mehr los in kumasi. unsere unterkunft war etwas ausserhalb, aber sehr schoen. halt wieder eher privathaus. wir hatten ein zimmer mit zwei doppelbetten und da matt gestern ja nur die couch hatte, bekam er eines fuer sich. nach einer wirklich erholsamen nacht fruehstueckten wir mit dem zweiten gast, einer kandierin, die monatelang hier ist und entsprechend froh war, mal wieder mit anderen leute quatschen zu koennen. ich war allerdings mehr damit beschaeftigt, mir sorgen ueber den doch recht heftigen durchfall zu machen, hinsichtlich der anstehenden langen busfahrt. ging aber gut und jetzt sorgt immodium akut aus der reiseapotheke fuer ruhe. eine lustige anekdote gab es dann doch noch, mike aus stoke heisst gar nicht mike sondern jason. ich hab ihn mit einem kanadier verwechselt, als unsere gruppe anfangs in accra mal kurz zu viert war. und er hat tagelang nix gesagt, da schlaeft man im selben bett und am naechsten tag stellt man fest, dass man nicht mal den namen kennt, hehe.

Vor der busfahrt wurde noch eine unterkunft im zentrum gecheckt und reserviert, da das bei fruehen buszeiten doch deutlich sinnvoller waere. dann ging es um 12:30 auf eine sechstunden (4 haetten es sein sollen) ziemlich anstrengende busfahrt zurueck nach accra. dabei einen entgegenkommenten bus mit einer aus dem stadion schoen oft gesehenen HSV fahne gesehen, voellig raetselhaft was der besitzer jetzt in kumasi will. aber das motto vom crystal, A home away from home, stimmt definitiv. es kam uns vor wie von einer anstrengenden auswaertsfahrt heim zu kommen und morgen ein heimspiel zu haben. im bus sass ein student aus dem tschad neben mir, der auch beim match war. er war sehr nett aber raetselhafterweise bezeichnete er sich als fan von borussia dortmund und wollte wissen, was fuer eine stadt dortmund sei. ich erzehlte von "unemployed coalminers" und "big depression", sollte gut hinkommen.

in accra angekommen schnell mit dem taxi zum crystal und dort mal was gemacht, was wir bisher noch nie hatten, ein match im TV anschauen. auch mal nett, aber leider haben meine angolaner kurz vor schluss den ausgleich von suedafrika kassiert. wird sich das drama von 2006 wiederholen, ich hoffe nicht. danach noch ein wenig die naechsten tage geplant, die gruppe hat sich ja gefunden und wird jetzt erstmal zusammenbleiben, nach dem erfolgreichen start. nach der busorgie freut man sich aber doppelt auf das "eigene bett". davor aber noch von einem stand was zu essen geholt. wegen dem durchfall hab ich ja den ganzen tag kekse und mineralwasser diaet gehalten.

so, die letzten tage sind aufgearbeitet, heute wurde in accra ein wenig geld gewechselt fuer die naechsten tage und jetzt im internet cafe bei aircon die zeit bis 15 uhr 30 in stadionnaehe killen, dann trifft sich die gesamte crystal besatzung um das ritual vorm eroeffnungsspiel zu wiederholen, also kankee mit scharfer sauce essen und bier trinken. und dann wird es leider fuer collin benjamin und seine namibier furchtbare pruegel geben. interessanter ist da das zweite spiel, bei dem ich sehr auf einen sieg von guinea gegen marokko hoffe, der durchaus drin ist.

ein ausblick auf die naechsten tage: morgen frueh gehts nach sekondi zu den naechsten spielen, dann legen wir nach 9 spielen in 6 tagen mal zwei beachtage zum aufladen der akkus ein, um zum dritten spiel von ghana in accra gegen marokko wieder fit zu sein, ehe die weite reise nach norden zum vierten stadion in tamale beginnt. und dann in der pause bis zum viertelfinale auch nationalpark und safari und das standardprogramm.



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acn ghana 2008


Ghana 1


Also fangen wir mal an, bevor ich die Hälfte vergessen hab. Kann in Afrika, dem Kontinent schlecht hin für Tagediebe schnell gehen...

Der Lufthansa Flug war mein erster Langstreckenflug mit denen und doch deutlich anders als die asiatischen Spezialisten, die mich in meine südostasientischen Lieblingsländer bringen. Obwohl deutlich teurer. Kein nennenswertes Unterhaltungsprogramm und über das Essen hüllen wir den Mantel des Schweigens. Also von einer Singapure, Malaysian, JAL und wohjl auch Emirates (hatte ich auch noch nie) soweit entfernt wie Ryanair von Kundenfreundlichkeit. Somit ist also die Frage beantwortet, wie macht der Kranich jedes Jahr diese gigantischen Gewinne, trotz Dollarschwöche, Ölpreiseskalation und den 99 Euro-Tickets, mit denen die Leute auswärts nach Zürich und München fliegen. Eben genau mit diesen Monopolstrecken nach Afrika beispielsweise.

Trotzdem ging es alles recht zügig und zumindest die Alkohlvorräte waren ausreichend, auch wenn die Stewardess nie das richtige dabei hatte, was Wechsel zwischen Baileys, Campari Orange and Gin mit Tomatensaft zurfolge hatte. Zwischendurch auch immer mal das eine oder andere Stündchen geschlummert. Also Lagos ganz zügig erreicht, aber da gammelt wir erstmal ausführlich rum. Tanken uns so angeblich. Dafür war jetzt ordentlich Platz im Flieger, da die Hälfte ausgestiegen ist und keine neuen Passagiere an Bord kamen.

Mit etwas Verspätung gegen 19:30 in Accra gelandet, wo der Flughafen sehr ausführlich für den Afrika Cup dekoriert worden ist. Natürlich die Schlage bei der Immogration so gewählt, dass ich als wirklich absolut letzter drankam. Dafür dann beim Zoll, der wirklich ausführlich die Koffer kontrolliert als einer der wenigen durchgewunken worden, hatten offenbar keine Lust mehr. Einen Stadtplan oder irgendeine halbwegs vernünftige Info bei den diversen Touristeninfoständen zu bekommen, klappte aber nicht, es gab nur Sinnlosigkeiten wie eine Broschüre über den Flughafen.

Jetzt aber der spannende Teil, klappt der Abholservice vom Hostel und steht da irgendwer mit einem Schild mit meinem Namen drauf? Die Klärung würde einige Zeit in Anspruch nehmen, da es auf dem Flufhafen beim Ausgang sagen wir mal sehr kebendig zugeht. Aber ruckzuck springt mir das Fankönig-Schild entgegen und ein älteres Ehepaar begrüßt mich mit dem, was sich jeder Reisende wünscht, dem Empfang im Stil eines „Father-Son-Welcome“. Komischerweise haben sie wohl schon seit 17 Uhr gewartet, obwohl ich zwei Mails mit „19:00 with LH from Frankfurt“ geschrieben hab.

Im Auto zum Hostel fiel die Aufregung des Tages dann zügig von mir ab, bis ich erfahren habe, dass das nicht der Cheffe vom Hostel mit seiner Frau, sondern die Schwester vom Cheffe mit ihrem Mann ist. Ihr Bruder hat „problems to fix“, deshalb hat er sie geschickt und ich werd auch bei ihnen wohnen statt im hostel. Nach so einem Tag will man ja jetzt gerade nix von „problems“ hören, aber ich konnte eh nur der Dinge harren die mich erwarteten, was auch sonst mitten in der Nacht in Ghana mit zwei Rucksäcken. Ich sagte aber schon, dass ich dann irgendwann ins Hostel möchte, um andere Traveller bzw. „Friends“ zu treffen.

Am Heimweg wurden mir gleich die Häuser von Tony Yeboah und Abedi Pele (der will übrigens im Dezember „our next president“ in Ghana werden) vorbei. Nett, nett, aber sehr europäisch. Aber dass meine Gastgeber in der selben Gegend wohnen, zeigte schon mal, dass sie auch nicht zu den Ärmsten gehören. Das bestätigte sich dann auch voll und ganz, es war ein sehr schönen Haus, mit prächtigem Innenhof und von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben. Auch mein Zimmer war tipptopp und so konnte ich beruhigt ins Bett sinken, da alle Fenster gut mit Moskitoschutz abgedichtet waren, musste ich mich auch um nix mehr kümmern.

Dann brachte die Cheffin auch noch die Message, dass ihr Bruder wohl seine problems gefixt hat und mich morgen nach dem Frühstück wieder abholt. Aufgrund des sehr hohen Wohlfühlfaktor meiner aktuellen Unterkunft war ich darüber jetzt aber gar nicht mehr so erfreut.

Die erste Nacht in der Hitze hab ich dank eines sehr leistungsfähigen Deckenventilator gut überstanden und nach einem opulenten Frühstück mit einem leckeren Gemüseomelette als Highlight, relaxte ich dann erst mal im Innenhof auf der Veranda im Stile eines Plantagenbesitzers. Nur das Treiben auf der Straße konnte ich wegen der Mauer nicht beobachten.

„Leider“ kam dann tatsächlich sehr zügig der echte Chef. Ich hatte ja schon große Bedenken, dass die“Problems“ irgendwas ganz schlimmes wie ein Todesfall in der Familie sein würden, aber da er bester Laune war, dürfte es dann doch wohl eher die Überbuchung seiner Hütte gewesen sein, was es dann auch war.

Also zusammenpacken und umziehen mit der Garantie „besser wirds nicht“. Zwar richtig, aber wie mir Dir sehr lange Fahrt durch Accra zeigte, war die noble Behausung weiter von der Stadt weg als der Flughafen und da draussen alleine die Abende rumhocken bringt ja auch nix.

Das „echte“ Hostel war allerdings auch nicht unbedingt Zentral und dass ist in Accra wegen des gigantischen Verkehrs etwas uncool. Diese Stadt schreit nach einer S-Bahn wie wohl kaum eine zweite, denn der öffentliche Transport mit hundertausenden schrottreifen Minibussen (Tro-tros) ist eine Sache für sich.

Wie schon erwähnt, dass problem waren die zuviele Gäste. Aber Cheffe baut extra einen weiteren Trakt an, der unglaublicherweise auch bis zum Wochenende fertig werden soll, wenn weitere sich Europäer zum Afrika Cup angemeldet haben. Irgendwann gegen Mittag räumte dann endlich eine neuseeländische Großfamilie, das Zimmer auf das außer mir bereits Andrew, ein Amerikaner aus Wisconsin wartete, der in der Früh ankam und leicht angeschlagen von der 30 Stunden Anreise war.

Hatten wir beim warten noch den Plan gefaßt, nachmittags gemeinsam in die Stadt zu Gurken, ging er aber dann Sekunden nach Bezug des Zimmers sofort K.O. Ich beschäftigte mich erstmal mit meinem Moskitonetz, denn die Insektennetze an den Türen und Fenstern waren nicht so überzeugend. Der Baldachin überm Bett machte dann auch ordentlich was her und es ist ja so, macht man sowas nicht gleich, dann liegt das Moskitonetz zwei Wochen unausgepackt im Rucksack.

Drei Dinge standen jetzt auf dem Plan, Tickets für die Matches, was essen und das Tro-tro System kapieren. Letzeres kann man zwar relativ einfach durch ghünstige Taxis personalisieren, aber das kanns ja nicht sein. Neben „Take nothing but fotos, bring home nothing like memories and leave nothing but footprints” lauetet das Motto für korrektes Reisen “When in Rome, do as the Romans do”. Was dazu führte, dass das bereits aus Indonesien bekannte, der Minibus fährt nur dann, wenn alle Plätze belegt sind und der Rest des Minibus auch noch komplett mit Leuten gefüllt ist“-Prinzip, griff. Anders als bei den Indos ist der Minibus aber immer sofort voll. Accra ist eine sehr lebendige Stadt und alles spielt sich auf der Straße ab. Rund 2.000 Ghana-Merchandising-Verkäufer (WM 2006 Autofahnenalarm!) säumen dabei jeden Kilometer und dazu kommen noch die normalen Straßenhändler für die täglichen Dinge des Lebens und vor allem Snacks und Getränke.

Fad wird einem bei der sehr zählen Fahrt über holpringe Straßen aber nicht, es gibt immer was zu sehen und vor allem zu lesen. Gemalte Werbung ist hier sehr populär und jede kleine Bude am Straßenrand hält über der Tür auch religöse Weisheiten bereit. Das geht von 08/15-Srüchen wie „God is great“, „Jesus is wunderful“ und natürlich „Inshallah“ (paar Moslem gibts auch“ bis hin zu Weltklassesätzen wie „Not I created this, but god“. Bei dem halbverfallen Bretterverschlag weiß man jetzt natürlich nicht, ob das als Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer, als Entschuldigung oder gar als Vorwurf an Gott zu verstehen ist.

Irgendwann erreichten wir dann auch den Hauptplatz. Platz ist nicht ganz korrekt, denn Accra ist eine typische ungeplante Riesenstadt. Es gibt so gut wie keine Landmarks oder Achsen, die Orientierung erfolgt über riesege Kreisverkehre. Der wichtigste davon der Nkrumah, aber da es kein wirkliches Zentrum gibt, hilft auch das nur bedingt. Accra ist einfach eine riesige Krake, die sich in alle Richtungen außer auf den Ozean raus, immer weiter ausgebreitet hat und damit wohl auch nicht aufhört. Naja um zig Millionen Menschen praktisch ohne mehrstöckige Häuser unterzubringen, braucht es wohl in etwa die Größe von Schleswig-Holstein.

„Nobody likes Accra“ beginnt der Reiseführer daher auch das Kapitel, was aber so nicht stimmt, denn mittlerweile mag zumindest ich Accra. Aber damals (also Montag) natürlich noch nicht. Das was ich mir am Stadtplan als interessante Hauptstraße im Zentrum für einen ersten Walk ausgesucht hab, entpuppte sich eher als mehrspurige Autobahn gänzlich ohne irgendwelche Sehenswürdigkeiten. Die Ticketsuche hatte als erstes Ziel das Zentrum der Cuporganisation, was mich zwar nicht viel weiter brachte, aber ich glücklicherweise interessante Leute kennenlernte, die im späteren Verlauf noch mal wichtig werden sollten. Tickets soll es in den Postämtern und den Filialen der GCB Bank geben, die Detailinfos reichten von „Alles ausverkauft“ bis „Vorverkauf hat noch nicht begonnen“.

Nerv für weitere Nachforschungen hatte ich dann natürlich keinen mehr, aber Hunger. Also ein einladendes Restaurant gewählt, das auch in irgendeinem Reiseführer erwähnt wurde für „gut, günstig und typisch“.

Das stimmte auch alles, ebenso wie meine Erinnerung an ein afrikanisches Restaurant in Wien, dass ich Fufu nicht mag. Bestellt hab ich Groundnut (keine Ahnung was das ist)-Soup mit Fleisch und Fufu. Das Fleisch war total ungenießbar wie zu erwarten war. Nur Knochen und Fett. Die Sauce war allerding scharf und schmackhaft. Fufu ist eine zähe Masse, die aus Yams hergestellt wird. Leute, die es mägen, vergleichen es mit Kartoffelbrei, nur zäh. Mir ist das zu zäh, außerdem reichte die Portion für eine vierköpfige Familie, 3 Euro waren da sicher ein guter Preis. Knapp die Hälfte vom Fufu und ordentlich was von der Sauce machten mich entsprechend satt.

Also zurück zum Circle und nach langem Suchen die Trotros für die Rückfahrt gefunden. Im Hostel dann dem Chef, der von seinen Kunden also auch von mir „Uncle“ genannte wird (seine Frau „Auntie“ also Tante“), von meiner erfolgreichen Trotro-Mission berichtet, was er mit großen Respekt quittierte. Das Motto dieses Hostels geht „Your home away from home“ und das kann ich gänzlich unterschreiben bisher. Man kann im Wohnzimmer abhängen, im Innenhof ist es gemütlich und sogar auf dem Dach. Wer denn will, kann auch die Küche benutzen und alles andere außer dem Schlafzimmer von Uncle und Auntie.

Während ich also mit den anderen Travellern im Hof abhing, kam sehr spät noch ein weiterer Gast, der ins Zimmer von mir und dem Amerikaner verfrechtet wurde, Chris aus Bournemouth in England. Leider enttäuschte der mich gleich mit der Feststellung, dass „Support your local team“ nicht seine Welt ist und er sich nur für Liverpool interessiert und nicht den AFC aus seiner Heimatstadt. Aber auch er war sehr OK. Mal sehen, ob das vierte Bett auch noch belegt wird im „Kofi Dorm“.

Duschen spielt sich nur kalt ab, beziehungsweise warm halt, siehe Außentemperatur von konstant um die 30 Grad. Aber kein Mensch würde hier auf die Idee kommen, sich mit einer heißen Dusche abzukühlen. Da ich reichlich K.O. war, ging es früh ins Bett.

Auch wenn es sich anfühlt, als wäre man schon etliche Wochen hier, es ist erst Dienstag, der zweite Tag. Ein Frühstück kann man bei den Onkel-Töchtern bestellen, Omelette, Nescafe oder Tee, weiches Brot, Marmelade, Standardprogramm. Heute war allerdings Taxi angesagt, der Trotro-Job war ja schon mit Auszeichnung erledigt worden und die komplette Besatzung vom „Kofi Dorm“ zog gemeinsam los. Wer handelt den ersten Taxi-Preis aus, Andrew meldet sich freiwillig. Als Vorgabe bekommt er für eine Fahrt zum Leuchtturm ganz im Süden 4,50 Cedi (3 Euro) mit, läßt sich leicht durch 3 teilen. Als Ergebnis präsentiert er 6 Cedi, kann man fürs erste Mal durchgehen lassen. Die Taxifahrt dauert zwar wegen dem Verkehr elend lang, aber der Fahrer ist ein aufgeschlossener Kerl, so dass viel gequatscht wird. Allgemein sind die Leute in Ghana extrem freundlich, nett und sympathisch. Ich hab mal beim Aussteigen aus einem Trotro das Handy verloren und die Frau daneben ist mir gleich damit nachgelaufen. Aber auch ansonsten sind die Leute supernett und man muss schon mal mühsam verhindern, dass der Sitznachbar nicht die Busfahrt für einen zahlt. Also ein Land welches völlig anders ist, als die nervigen Dauerstresser in Tunesien und vor allem Marokko.

Leuchtturm war unspektakulär, aber man hat schöne Ausblicke über den Hafen und das Meer. Selbiges gilt dann für das Fort in der Nähe, eines der zahllosen, von denen die Sklaven der Goldküste verschifft wurden.

Dann eine GCB Bank entdeckt und einen Verantwortlichen für die Ticktes gefunden. Der hat zwar aktuell null, geht aber davon aus, dass für Nigeria-Elfenbeinküste heut oder morgen welche reinkommen. Er schreibt meinen Namen und Telefonnummer (eine einheimische SIM-Karte hab ich natürlich als allererstes besorgt) in das reservierungsbuch und wird sich melden, wenn die Karten kommen. Für das Eröffnungsspiel Ghana-Guinea sieht es aber sehr schlecht aus. Bei der Post ums Eck hatten sie dann immerhin Karten für das zweite Spiel in der Ghana-Gruppe, Marokko-Namibia (Collin!!!). Gleich für 4 Cedis (knapp 3 Euro) zugeschlagen und die Tickets sind auch sehr schick und haben sogar ein Hologramm und einen Chip für die Security.

Damit war ich erstmal zufrieden und wir spazierten weiter zum Independent Square. Der ist für große Paraden im sozialistischen Stil bestens geeignet mit hochprofessionellen Tribünen drumrum und riesigen sinnlosen Momumenten. Sowas gefällt mir bekanntlich, alte Sowjetschule. In der Mittagshitze gingen wir dann aber KO, speziell unser Freund aus England hatte seine käsige Hautfarbe in einen knallroten Kopf gewandelt. Noch schnell das Stadion gespottet, welches von außen wirklich state of the art aussieht, i grei mi scho so. Ziel eine Restaurantgegend und Chris will sich an der Vorgabe 1,50 Cedi versuchen. Er meldet dann auch sofort Erfolg, aber da ich vorne sitze, muss ich die 1,50 nochmal nachverhandeln, weil der Taxifahrer wegen dem „Traffic Jam“, der mindestens 3 Cedi wert wäre, rumjammert.

Da der Verkehr aber eh harmlos war, bleibt es bei den 1,50 und wir finden nach einigem Suchen „The Orangery“, nachdem der „Honest Chef“ sich offensichtlich schon aus dem Restaurantbusiness zurückgezogen hat oder wir dran vorbeiglaufen sind. Das restaurant bietet neben Ghana-Food auch viel euröpäisches, Pasta und sogar Moussaka, daneben auch kurioserweise oftmals „brazilian“ im Name der Speisen. Da wir alle frisch in Ghana sind, ist die Motivation aber noch sehr gut, was das einheimische Essen betrifft. Ich bestelle aber kein Fufu mehr, sondern das zweite, was immer zu haben ist, Banku. Das ist auch wesentlich besser, es handelt sich um einen Maisteig, der zwar auch ungekocht, aber fermentiert und somit angenehm sauer schmeckt, jedenfalls interessanter als die Yamswurzel vom Fufu. Dafür habe ich diesmal mit der Sauce etwas weniger Glück, da sind nämlich Sardinen drin, die sind nicht mein Fall. Andrew hat aber was superbes erwischt, eine marokkanische Tajine mit Couscous, superlecker, bestelle ich auch bei der nächsten Gelegenheit.

Nach dem Essen wollten die anderen gleich zurück, ich musste aber noch Geldwechseln und wollte auch noch nach Bussen in die anderen Städte schauen, da wir grad da waren, wo die Busstation sein sollte. Die hab ich nicht gefunden, aber Geld gewechselt, dann musste ich der Hitze Tribut zollen und den tag zügig beenden.

Das war der Plan, aber im Hotel hab ich einen der Leute, die ich gestern beim Organisationsbüro getroffen hab, angerufen. Und Tony, ein Sportjournalist aus Ghana meinte, ich soll heut um 19:30 Uhr wieder beim Büro sein, da wäre ein wichtiges Meeting. Das geht sich locker aus und nach einer schnellen Dusche machte ich mich auf den Weg. Da der Taxifahrer aber ziemlich unfähig war, kam ich erst kurz nach 19:30 Uhr an, aber es herrschte ohnehin grad Chaos dort. Tony meinte, wir fahren zu einem Treffen mit dem Superchef, dem Mann, der den Afrikacup nach Ghana geholt hat. Also den Franz Beckenbauer von Ghana, da ja Martin Sonneborn hier niemand kennt. Der hat mehrere Leute zu einer kleinen Begrüßung eingeladen und offensichtlich auch mich und noch zwei weitere Weiße, Engländer die für Al Jazira arbeiten und ebenfalls zu Tonys riesigem Kontaktenetz gehören.

Es sollte irgendwo mit einem Shuttlebus hingehen, da der nicht kam, wurde in diversen Privatautos gefahren. Das Ziel der Reise war das französische Restarant „Le Tandem“ mit französischem Chef und frischem Baguette. Dank des weltweit immer aktuellen Themas Fußball, war Smalltalk kein Problem, der Herr neben mir am Tisch kam aus der Elfenbeinküste und wir konnten uns ausführlich über die skandalöse Nichtnominierung von Guy Demel unterhalten. „Ein Defensivallrounder wie Guy ist in so einem Turnier extrem wichtig“, da waren wir uns einig und das sahen auch die Ghaner, die ansonsten todtraunig wegen der Verletzung von Steven Appiah waren. Davon wußte ich natürlich, weil das ganze Land von nix anderem redet, als ob dieser Verlust kompensiert werden kann.

Nach einer Belobigungsrede vom Vize-Kaiser für den Kaiser wurde ein ausgezeichnetes Menü serviert, auch der Wein war super, nur inwieweit mir das in der Kartenfrage weiterhelfen würde, war etwas unklar. Ich kann ja wohl kaum beim Chef vom Organisationskomittee, der im übrigen unzählige weitere Verdienste für die ghanaische Wirtschaft vollbracht hat, wie ich mittlerweile weiß, hingehen und ihm auf die Schulter klopfen „Ey Alter, was ist mit Karten fürs Eröffnungsspiel“. Da der Wein ständig nachgeschenkt wurde, war mir die Kartensache dann aber ohnehin irgendwann egal. Die Ehrenträger verabschiedeten sich dann ohnehin zügig, aber mir wurde noch der Präsident vom ghanaischen Journalistenverband vorgestellt, 150 km schwer, 2 Meter groß und in riesige bunte Stoffbahnen gehüllt, so muss ein Präsident aussehen.

Irgendwann verlief sich das ganze und die beiden Engländer, der Ivorer, Tony und ich waren die letzten. Es folgte eine sehr kuriose nächtliche Taxifahrt komplett durch Akkra. Da wir die selbe Richtung hatten, fuhr ich gemeinsam mit dem Ivorer, ich musste allerdings deutlich weiter. Nachts in Accra ist anders als Tag. Während man sich tagsüber nie unsicher fühlt, ist dann im Dunkeln deutlich anders. Für Sicherheit sorgt die Militärpolizei mit diversen Straßensperren, bei denen einem schön mit der superhellen Taschenlampe ins Gesicht geleutet wird. Die ersten drei passierten wir ohne Einwände, bei der dritten wurde der fehlende Sicherheitsgurt des Fahrers moniert und wir mussten rechts ran. Dort wurden wir mehrere Minuten lang komplett ignoriert, bis unser Fahrer ausstieg, um schon nach 10 Sekunden mit extrem schlechter Laune wiederzukommen. Allerdings durften wir auch sofort weiterfahren, weshalb ich mir aber keineswegs die Schlussfolgerung erlaube, dass der Fahrer die Einnahmen dieser Fahrt komplett beim Soldaten abgeliefert hat.

Mein Mitfahrer ignorierte das ganze komplett und telefonierte die ganze Zeit am Handy, mit dem Chef des Didier Drogba-Fanklubs in London. Auch mir ließ er einen kurzen Smalltalk mit diesem Herren angedeihen, der war aber sehr kurz, denn wir kannten uns ja nicht. Der Kollege stieg dann aus, nicht ohne dem Fahrer genaueste Instruktionen zu geben, was die Weiterfahrt zu meinem Zielpunkt betrifft. Offensichtlich befürchtete er, dass der Fahrer seine schlechte Laune an mir ausließ und gab mir dann noch seine Telefonnummer mit der Bitte ihn anzurufen, wenn ich sicher mein Ziel erreicht hatte. Sehr fürsorglich!

Nun machte sich die Trotroerfahrung bezahlt, denn ich kannte den Weg halbwegs und konnte den Fahrer in Darkuman auf die richtige Straße lotsen. So ging schnell der Clearance Call nach Zielerreichung raus und im Hostel schliefen die meisten schon. Andrew saß mit einer Stirnlampe im Innenhof erzählte mir, dass in unserem Stadtteil heute abend Stromausfall war und alles mit Kerzen beleuchtet wurde, weil die Leute darauf vorbereitet sind. Kleine Stromausf genau in diesem Moment, in dem ich das schreibe, legt ein weiterer Stromausfall zwei Stunden alles lahmälle sind nix besonderes (wie wahr, aber gottseidank denk ich mit und speicher nach jedem Absatz ab). Egal, das sollte fürs erste eh langen.

Wie es weitergeht, was die Ticketsuche macht und warum die Militärpolizei im Gegensatz zum Rest des Lander schweinemies drauf ist, demnächst!



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